Die aktuelle INSA-Sonntagsfrage zeigt einen beunruhigenden Trend im deutschen Parteienspektrum: Die AfD erreicht bundesweit 29 Prozent, neun Punkte vor der Union (20 Prozent). Parallel dazu hat die CDU in Sachsen-Anhalt ein historisches Tief von 17,2 Prozent erlitten, während die AfD dort 43,8 Prozent der Zweitstimmen auf sich vereint. Diese Entwicklungen verändern die Mehrheitsoptionen im Bundestag grundlegend und verschärfen die Debatte um Kanzler Friedrich Merz und mögliche Koalitionen.
AfD erreicht Rekordwert in der INSA-Sonntagsfrage
- AfD: 29 % (+1 Punkt)
- CDU/CSU: 20 % (±0 Punkte)
- Grüne: 14 % (+1 Punkt) – überholen SPD
- SPD: 13 % (±0 Punkte)
- Linke: 10 % (±0 Punkte)
- FDP: 4 % (±0 Punkte)
- BSW: 3 % (-1 Punkt)
- Sonstige: 7 % (-1 Punkt)
INSA-Chef Hermann Binkert betont die Bedeutung dieser Zahlen: „14 Prozent der Wählerstimmen fallen an Parteien, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Für parlamentarische Mehrheiten sind über 43 Prozent notwendig.“
Wahldesaster der CDU in Sachsen-Anhalt 2026
Am 6. September 2026 sank das Ergebnis der CDU in Sachsen-Anhalt auf 17,2 Prozent – ein Verlust von 19,9 Prozentpunkten gegenüber 2021 (37,1 %). Die AfD erreichte 43,8 Prozent und wurde damit klar stärkste Kraft im Landtag. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent, ein Anstieg um 17,5 Punkte gegenüber der Vorwahl.
- AfD-Zweitstimmenanteil: 43,8 % (2026)
- CDU-Zweitstimmenanteil: 17,2 % (2026)
- Wahlbeteiligung: 77,8 % (2026)
Der Absturz der Union in einem ostdeutschen Bundesland wirkt sich unmittelbar auf die bundespolitische Dynamik aus und erhöht den Handlungsdruck auf die Parteispitzen in Berlin.
Rückgang des Rückhalts für Kanzler Friedrich Merz
Die INSA-Umfrage zeigt, dass 78 % der Gesamtbevölkerung Friedrich Merz nicht mehr für den richtigen Bundeskanzler hält. Auch innerhalb des eigenen Lager verliert Merz massiv an Unterstützung: 58 % der Unions-Wähler geben an, er sei nicht mehr geeignet, während lediglich 36 % ihn weiterhin befürworten.
- Ablehnung Merz (Gesamtbevölkerung): 78 %
- Ablehnung Merz (CDU/CSU-Wähler): 58 %
- Zustimmung Merz (CDU/CSU-Wähler): 36 %
Markus Söder, CSU-Chef, äußerte sich zu Merz‘ Situation: „Von der CSU auf keinen Fall“, „Ja, er steht zu den Reformen.“ und betonte, dass die Union zusammenhalten müsse, „und uns jetzt nicht durch die AfD auseinanderbringen zu lassen“.
Parallele Vertrauenskrise beim Koalitionspartner SPD
Auch die SPD befindet sich in einer schwierigen Lage. In derselben INSA-Erhebung wird SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil von 51 % der Befragten abgelehnt, während nur 24 % ihn unterstützen.
- Ablehnung Klingbeil: 51 %
- Zustimmung Klingbeil: 24 %
Die doppelte Legitimationskrise von Union und SPD erklärt, warum Söder von Problemen mit einer SPD sprach, die „sich mit Reformen schwertut“.
Rechnerische Koalitionsmöglichkeiten und die Kenia-Koalition
Auf Basis der aktuellen Stimmenverteilung ergeben sich nur wenige Mehrheitsoptionen:
- Kenia-Koalition (CDU/CSU + Grüne + SPD): 47 % – laut Binkert die wahrscheinlichste Option.
- Koalition aus Grünen, SPD und Linke: 37 %.
- Schwarz-rote Koalition (Union + SPD): 33 %.
- AfD + Union: 49 % – politisch ausgeschlossen durch Unvereinbarkeitsbeschluss der Union.
Die Schwelle von über 43 % für eine stabile Mehrheit entsteht, weil 14 % der Stimmen an Parteien (FDP, BSW, Sonstige) fallen, die die Fünf-Prozent-Hürde nicht überwinden.
Risiken und Gegenargumente
Experten weisen darauf hin, dass Sonntagsfragen Momentaufnahmen sind und keine verlässlichen Wahlprognosen darstellen. Statistische Schwankungsbreiten von ±2 bis 2,5 Prozentpunkten können die tatsächliche Mandatsverteilung erheblich beeinflussen. Zudem hängt die Koalitionsarithmetik stark vom Abschneiden von FDP und BSW ab: Überschreiten beide die 5-Prozent-Hürde, würde die erforderliche Mehrheit im Bundestag wieder auf rund 43 % sinken.
Schnellüberblick:
Wie genau schnitt die CDU bei der vorausgegangenen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ab?
Die CDU halbierte ihr Ergebnis von 2021 nahezu und kam laut der Landeswahlleiterin Sachsen-Anhalt nur noch auf 17,2 Prozent der Stimmen, während die AfD mit 43,8 Prozent als deutlicher Wahlsieger hervorging.
Wie bewerten Wähler von CDU und CSU Bundeskanzler Friedrich Merz in der INSA-Umfrage?
Auch im eigenen Lager hat Merz die Mehrheit verloren: 58 % der Unionswähler sind der Auffassung, Merz sei nicht mehr der richtige Kanzler, während sich lediglich noch 36 % hinter ihn stellen.
Warum reichen aktuell rechnerisch bereits gut 43 Prozent der Stimmen für eine parlamentarische Mehrheit?
Weil FDP (4 %), BSW (3 %) und Sonstige (7 %) zusammen 14 % der Stimmen auf sich vereinen, die wegen der Fünf-Prozent-Hürde unberücksichtigt bleiben; die verbleibenden Sitze verteilen sich daher ausschließlich auf die Parteien ab 5 %.






