Fünf Wochen vor dem Urnengang am 20. September 2026 zeigt die aktuelle INSA-Umfrage ein stark fragmentiertes Parteienspektrum in Berlin. Die Union liegt mit 20 % knapp vor der Linken (19 %) und der AfD (17 %). Gleichzeitig hat die CDU einen überraschenden Spitzenkandidatenwechsel vollzogen: Finanz- und Kultursenator Stefan Evers übernahm im Juli 2026 die Führung der Partei. Die Ergebnisse werfen ein Licht auf die veränderten Mehrheitsverhältnisse und die damit verbundenen Koalitionsoptionen im 130-Sitze-Abgeordnetenhaus.
Hintergrund zum Wechsel der CDU-Spitzenkandidatur
Am 10. / 13. Juli 2026 trat amtierender Regierender Bürgermeister Kai Wegner als CDU-Spitzenkandidat zurück. Die kritische Bewertung seiner Krisenkommunikation führte zu seinem Rückzug. Finanz- und Kultursenator Stefan Evers übernahm daraufhin kommissarisch den CDU-Landesvorsitz und die Spitzenkandidatur. Wie rbb24 berichtete, „Evers, zuvor als Finanz- und Kultursenator profiliert, muss nun versuchen, das konservative Wählermilieu im engen Fünf-Parteien-Feld zu konsolidieren“.
Datum der Benennung: 10./13. Juli 2026.
Aktuelle Umfrageergebnisse und Parteienranking
Die INSA-Erhebung im Auftrag von BILD befragte vom 7. bis 13. August 2026 insgesamt 1.000 wahlberechtigte Berliner. Die wichtigsten Zweitstimmenabsichten lauteten:
- CDU: 20 % (± 3,1 pp)
- Die Linke: 19 % (± 3,1 pp)
- AfD: 17 % (± 3,1 pp)
- Bündnis 90/Die Grünen: 16 % (± 3,1 pp)
- SPD: 15 % (± 3,1 pp)
- FDP: 3 % (± 3,1 pp)
- BSW: 3 % (± 3,1 pp)
Annette Riedl/dpa fasste die Kernbotschaft zusammen: „In der repräsentativen Erhebung des Instituts Insa kommt die CDU auf 20 Prozent und die Linke auf 19 Prozent.“ Die fünf stärksten Parteien liegen damit innerhalb eines Fünf-Prozent-Spannes.
Warum klassische Zweierkoalitionen keine Mehrheit mehr erreichen
Die amtierende schwarz-rote Koalition (CDU + SPD) erreicht laut Umfrage nur 35 % der Stimmen – deutlich unter der für eine parlamentarische Mehrheit notwendigen Schwelle von über 50 %. Selbst die Kombination der beiden stärksten Parteien, CDU + Linke, würde mit 39 % ebenfalls keine Mehrheit sichern. Die enge Abstand zwischen Platz 1 (CDU 20 %) und Platz 5 (SPD 15 %) liegt innerhalb der maximalen Fehlertoleranz von ± 3,1 Prozentpunkten, sodass die Rangfolge nicht als gesicherte Prognose gelten kann.
Rechnerische Koalitionsoptionen und mögliche Mehrheiten
Auf Basis der Umfragewerte ergeben sich folgende mögliche Dreierbündnisse:
- Rot-rot-grün (Linke + Grüne + SPD): 19 % + 16 % + 15 % = 50 %
- Kenia-/Großstadt-Koalition (CDU + Grüne + SPD): 20 % + 16 % + 15 % = 51 %
- Schwarz-rot (CDU + SPD): 20 % + 15 % = 35 % – keine Mehrheit
Da FDP und BSW jeweils nur 3 % erreichen und die Fünf-Prozent-Hürde nicht überspringen, entfallen insgesamt 13 % der Stimmen auf nicht vertretene Listen. Das senkt die absolute Mehrheitsschwelle im 130-Sitze-Parlament und stärkt die Position von Dreierbündnissen.
Risiken und Unsicherheiten der Umfrage
Zwei zentrale Risikofaktoren beeinflussen die Interpretation der Ergebnisse:
- Hohe statistische Überlappung: Der Abstand zwischen dem Erstplatzierten (CDU 20 %) und dem Fünftplatzierten (SPD 15 %) liegt innerhalb der Fehlertoleranz von ± 3,1 Prozentpunkten. Damit kann die tatsächliche Rangfolge leicht variieren.
- Wirkung der Fünf-Prozent-Sperrklausel: Sollte eine der beiden kleineren Parteien (FDP oder BSW) die Hürde doch knacken, verschiebt sich die Mehrheitsgrenze nach oben, da zusätzliche Sitze im Parlament vergeben würden.
Die Umfrage selbst weist zudem darauf hin, dass Wahlumfragen generell mit Unsicherheiten behaftet sind, etwa durch nachlassende Parteibindungen und kurzfristige Wahlentscheidungen.
Schnellüberblick:
Welche Koalitionen besitzen nach den aktuellen Umfragewerten eine Mehrheit?
Eine Fortsetzung des amtierenden schwarz-roten Senats erreicht nur 35 % und verfehlt die Mehrheit klar. Rechnerisch möglich wären ein rot-rot-grünes Bündnis (zusammen 50 %) oder eine sogenannte Kenia-/Großstadt-Koalition aus CDU, Grünen und SPD (zusammen 51 %).
Wie verändert sich die Mehrheitslage, wenn FDP oder BSW den Einzug ins Parlament schaffen?
Sollte eine dieser beiden Parteien die Fünf-Prozent-Hürde knacken (beispielsweise FDP mit 4 % oder BSW mit 4,5 %), steigt die absolute Mehrheitsgrenze deutlich. Schwarz-rot wäre dann ohne einen Partner von außen weiterhin auf der Suche nach Koalitionsbündnissen. Ein rot-rot-grünes Dreierbündnis würde weiterhin stabilere Grundlagen bieten.
Welche Parteien sind laut der INSA-Umfrage am stärksten und wie sichert das ihre Position?
CDU und Linke sind laut Umfrage mit 20 % bzw. 19 % am stärksten. Beide Parteien sind in Berlin institutionell gut verankert, stellen historisch langfristig etablierte Wählergruppen und können Bündnisse mit regionalen Koalitionspartnern eingehen. Die AfD liegt mit 17 % auf dem dritten Platz; ihr Erfolg wird unter anderem auf klare programmatische Positionen und ein starkes Wahlkämpferpotenzial zurückgeführt.






