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Finanzierungsarchitektur von Leopoldina und Bauhaus Dessau: Warnung vor Kürzungen in Sachsen-Anhalt

Ein geöffnetes, ledergebundenes Buch liegt auf einem dunklen Eichentisch in einer Bibliothek mit hohen Bücherregalen und

Die Finanzierung von Spitzenforschung und Kultur in Sachsen-Anhalt steht unter Druck. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) warnt vor einem „großen Schaden“ für die Leopoldina und das UNESCO-Weltkulturerbe Bauhaus Dessau, falls die Landesmittel gekürzt werden. Gleichzeitig spricht das Land von einem länderübergreifenden Hilfsnetzwerk, das Forschende auffangen soll, wenn Teile der Förderung wegfallen.

Finanzierungsmodell der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina

Die 1652 gegründete Leopoldina – die älteste ununterbrochen existierende naturwissenschaftlich-medizinische Akademie der Welt – wird seit ihrer Ernennung zur Nationalen Akademie im Rahmen einer Bund-Länder-Vereinbarung getragen. Der Bund finanziert 80 % des Etats, während das Sitzland Sachsen-Anhalt die verbleibenden 20 % bereitstellt (Bund-Länder-Abkommen, 2025). Ein möglicher Ausfall des sachsen-anhaltischen Anteils würde das Abkommen formal sprengen, da die Bundesmittel haushaltsrechtlich an die Co-Finanzierung des Sitzlandes gekoppelt sind.

Der Bund und die anderen 15 Länder könnten das nicht kompensieren.

Der Bund und die anderen 15 Länder könnten das nicht kompensieren.

Die Leopoldina bewahrt zudem unwiederbringliche historische Bestände, darunter das weltweit einzige handschriftliche Original von Albert Einsteins eigens für die Akademieaufnahme verfasstem Lebenslauf. Einstein wurde 1932 Mitglied (Matrikel-Nr. 3858). Kürzungen im Archiv- und Bibliotheksbereich würden damit nicht nur die Forschung, sondern auch das wissenschaftliche Welterbe gefährden.

Förderungsstruktur der Stiftung Bauhaus Dessau und AfD-Positionspapier

Im Unterschied zur Leopoldina trägt das Land Sachsen-Anhalt bei der Stiftung Bauhaus Dessau den Hauptteil der Zuwendungen. Im Finanzierungsvertrag 2022-2026 stellte das Land 22,6 Millionen Euro zur Verfügung, ergänzt durch rund 2,1 Millionen Euro Jahreszuschuss des Bundes/ BKM. Damit macht das Land nahezu 80 % der Gesamtkosten aus.

Im Oktober 2024 brachte die AfD-Fraktion einen Landtagsantrag (Drs. 8/4681) ein, der das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“ qualifizierte und eine kritische Neuausrichtung forderte. Das Dokument trägt den Titel „Irrweg der Moderne – für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Bauhaus“ und stellt die bisherige Förderpolitik in Frage.

Politische Reaktion: Bundesforschungsministerin Dorothee Bärs Notfallplan

„In Sachsen-Anhalt gibt es viele wichtige Forschungseinrichtungen – allen voran das Bauhaus und die Leopoldina“, erklärte Bär gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Wenn die komplette Förderung ausfallen sollte, weil es kein Geld mehr aus dem Landeshaushalt gibt, kann großer Schaden angerichtet werden.“

Sie kündigte zudem ein länderübergreifendes Hilfsnetzwerk an: „Wenn ganze Forschungsbereiche gestrichen werden sollten, müssen wir sehen, dass möglichst viel Personal an den Universitäten in anderen Bundesländern aufgefangen wird.“ Und: „Wir lassen die Wissenschaft nicht hängen.“

Risiken für Wissenschaftsfreiheit und Forschungsstandort

  • Verfassungs- und haushaltsrechtliche Kompensationsgrenzen: Nach Art. 91b GG können Bund und Länder nicht beliebig einspringen, wenn ein Sitzland die Co-Finanzierung verweigert; dafür sind einstimmige Beschlüsse im GWK erforderlich.
  • Gefahr des „Brain-Drain“: Das angekündigte Hilfsnetzwerk könnte als Signal gewertet werden, dass der Wissenschaftsstandort Ostdeutschland geschwächt wird, was Forschende frühzeitig zur Abwanderung bewegen könnte.

Schnellüberblick:

Wie wird die Leopoldina in Halle finanziert?

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina wird zu 80 % durch Mittel des Bundes und zu 20 % durch das Land Sachsen-Anhalt als Sitzland getragen.

Warum geriet das Bauhaus Dessau ins Visier der Landespolitik?

Im Oktober 2024 forderte die AfD-Landtagsfraktion mit dem Antrag Drs. 8/4681, das Bauhaus als ‚Irrweg der Moderne‘ kritisch neu zu bewerten und die Landesförderungen an eine „patriotische Kulturpolitik“ zu binden.

Welche Einstein-Dokumente liegen tatsächlich bei der Leopoldina?

Das Archiv bewahrt unter anderem Einsteins handschriftlich eingereichten Curriculum Vitae für die Akademieaufnahme von 1932 – ein einzigartiges Original, das das wissenschaftliche Welterbe repräsentiert.

Quellen