Die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wirft die Frage auf, welche wirtschaftlichen Konsequenzen eine Regierungsbeteiligung der AfD für den Standort haben könnte. Kernaspekte sind die Sicherung von Fachkräften, die demografische Stabilität und die Attraktivität für Industrieinvestitionen in Ostdeutschland. Zahlreiche Studien und Expertenaussagen zeigen, dass ein Aufschwung unter den derzeitigen Positionen der AfD nicht zu erwarten ist.
Demografische Herausforderung und Fachkräftemangel in Sachsen-Anhalt
Die Region steht vor einer gravierenden demografischen Entwicklung. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat im Vorfeld der Landtagswahl 2026 die folgenden Szenarien berechnet:
- Zwischen 2027 und 2031 scheiden rund 61.000 einheimische Erwerbstätige altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus.
- Bei einem Einbruch der Zuwanderung unter einer AfD-Regierung würde ein zusätzliches Defizit von rund 14.000 Arbeitskräften entstehen.
- Jeder fünfte praktizierende Arzt in Sachsen-Anhalt ist ausländischer Herkunft ( 20 % ).
- Fast jeder vierte Betrieb beschäftigt mindestens einen ausländischen Arbeitnehmer ( 22,7 % ), insgesamt über 75.000 ausländische Beschäftigte (Stand 2025).
Diese Zahlen verdeutlichen, dass ausländische Fachkräfte bereits heute eine unverzichtbare Stütze des sachsen-anhaltischen Mittelstands bilden und ohne sie die Grundversorgung sowie die industrielle Produktion gefährdet wären.
Risiken für Investitionen und Industrie
Die Industrie warnt eindringlich vor den Folgen einer AfD-Regierung. Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), betont:
„Ein Aufschwung wäre mit einer AfD-Regierung nicht zu erwarten, weil das Vertrauen in gute Rahmenbedingungen leidet.“
Sie ergänzt weiter:
„Auch in Sachsen-Anhalt basiert der Erfolg der Wirtschaft auf Offenheit, der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, auf Welthandel, Exportchancen und gut ausgebildeten Mitarbeitern – auch aus dem Ausland. Dieses wirtschaftliche Erfolgsrezept spiegelt sich in den Positionen der AfD nicht wider.“
Gönner fragt konkret nach den Investoren:
„Die Frage ist doch: Wer investiert künftig auf den großen Industrieflächen in Sachsen-Anhalt? Jeder Investor braucht Fachkräfte, oft auch aus dem Ausland. Wenn diese Menschen sich nicht willkommen fühlen, wird das schnell zu einem Argument gegen den Standort.“
Eine repräsentative Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) aus dem Jahr 2024 zeigt, dass 69 % der Unternehmen ein Erstarken der AfD als Standortrisiko einschätzen.
Export- und Euro-Skepsis als Gefahr für das deutsche Wirtschaftsmodell
Die Kernforderungen der AfD, wie ein Austritt aus dem Euro oder der Europäischen Union, werden von Wirtschaftsexperten als existenzielle Bedrohung für das exportorientierte deutsche Modell bewertet. Das IW Köln hat in einer Modellrechnung den möglichen Schaden quantifiziert:
- Ein Austritt aus dem Euro („Dexit“) könnte innerhalb von fünf Jahren zu einem BIP-Verlust von bis zu 5,6 % führen – das entspricht etwa 690 Mrd. Euro an Wertschöpfung.
- Der gleiche Szenario würde bundesweit rund 2,5 Millionen Arbeitsplätze kosten.
- Weiterhin befürchten 77 % der befragten Unternehmen negative Folgen für den EU-Binnenmarkt und die Gemeinschaftswährung.
Diese Ergebnisse belegen, dass die AfD-Politik das Fundament des deutschen Export- und Industriemodells gefährdet.
Begrenzte Handlungskompetenz der Landesregierung
Ein weiterer Aspekt ist die eingeschränkte Gesetzgebungskompetenz der Landesregierung. Während die meisten Regelungen zu Außenhandel, Währung und dem Fachkräfteeinwanderungsrecht auf Bundes- und EU-Ebene getroffen werden, kann ein sachsen-anhaltischer Ministerpräsident diese Rahmenbedingungen nur bedingt beeinflussen. Gönner weist darauf hin:
„Daran hat sich ein Bundesland zu halten, die Unternehmen haben darauf einen Anspruch. Wir werden uns dafür einsetzen, dass der Rechtsstaat geschützt wird und zur Anwendung kommt.“
Damit wird deutlich, dass die Erwartungen an eine Landesregierung, die AfD-Positionen umzusetzen, realistisch begrenzt sind.
Schnellüberblick:
Wie stark ist Sachsen-Anhalt tatsächlich auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen?
Wegen der demografischen Alterung scheiden bis 2031 rund 61.000 deutsche Erwerbstätige aus dem Arbeitsmarkt aus. Ohne Zuwanderung droht die Erwerbsbevölkerung laut IW-Berechnungen bis 2045 um ein Viertel zu schrumpfen, was die Grundversorgung und Industrieproduktion direkt gefährdet.
Was sagen empirische Studien über den Einfluss rechtspopulistischer Wahlerfolge auf Zuwanderung?
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ermittelte anhand von Fallstudien (u. a. Brexit und kommunale Wahlerfolge), dass die Zuwanderung qualifizierter Kräfte nach entsprechenden Machtwechseln um 32 % bis 65 % einbrach, ohne dass inländische Kräfte die Lücke schlossen.
Quellen
- https://www.iwh-halle.de/publikationen/detail/demografischer-wandel-auslaendische-beschaeftigte-und-der-arbeitsmarkt-sachsen-anhalts-vor-der-landtagswahl-am-6-september-2026
- https://www.iwkoeln.de/studien/knut-bergmann-matthias-diermeier-unternehmen-positionieren-sich-gegen-afd.html
- https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-sat/presse/2025-internationale-arbeitskraefte-sachsen-anhalt
- https://www.welt.de/wirtschaft/article253378546/Sorge-um-Fachkraefte-und-Investitionen-bei-AfD-Wahlsieg.html






