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Israelische Parlamentswahl 2026: Kopf-an-Kopf-Rennen, Rekordbeteiligung und ein neuer Macht-Block

Ein gläserner Wahlurnenbehälter mit bunten Wahlumschlägen steht auf einem Holztisch neben einer Israel-Flagge und einer

Am 27. Oktober 2026 fand in Israel die Wahl zur 26. Knesset statt – ein historisches Ereignis, das durch die höchste Wahlbeteiligung seit 25 Jahren (77,7 %) und das erste Urnen-Märchen seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 geprägt war. Die Wahl entwickelte sich zu einem innenpolitischen Referendum über Benjamin Netanjahus Führung, die Reform der Wehrpflicht und die Einbindung arabischer Parteien in die Regierungsbildung.

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Benjamin Netanjahu und Gadi Eisenkot

Die beiden Spitzenkandidaten standen im Zentrum eines eng umkämpften Machtkampfes. Netanjahus Likud blieb mit einer prognostizierten Sitzanzahl von 24 bis 25 Mandaten die stärkste Einzelpartei, während sein rechtreligiöser Block insgesamt etwa 50 Sitze einbrachte. Gadi Eisenkot, ehemaliger Generalstabschef, führte die neu formierte Partei “Yashar!” (Gradlinig) an, die in den TV-Exit-Polls durchschnittlich 21 Sitze erhielt (Spanne 19-23). Zusammengenommen mit den übrigen Oppositionsparteien bildete Eisenkot einen Block von 52 bis 53 Sitze – dennoch fehlte die für eine Regierungsbildung notwendige Mehrheit von 61 Sitzen.

Netanjahus Likud – Zahlen und Prognosen

  • Sitze laut Exit-Polls: 24-25
  • Rechtsblock (ultraorthodoxe & rechtsextreme Partner): rund 50 Sitze

“Der ganz große Jubel blieb ihm auf seiner Wahlparty in Tel Aviv verwehrt”, kritisierte ein Beobachter nach den ersten Hochrechnungen (Quelle: Reuters-Bild).

Eisenkots Aufstieg und die Partei Yashar!

Eisenkot, Sohn marokkanisch-jüdischer Einwanderer, stieg vom einfachen Infanteristen zum ranghöchsten Offizier des israelischen Militärs auf und wechselte vor vier Jahren in die Politik. Trotz fehlender Rednerkunst und nicht perfektem Englisch gelang es ihm, das Vertrauen vieler Israelis zu gewinnen. Sein persönlicher Verlust – der Tod seines Sohnes im Krieg gegen die Hamas – wurde zum Symbol des nationalen Traumas und stärkte seine emotionale Bindung zu den Wählern. Wie ein Artikel betont: “Sein Sohn wurde im Krieg gegen den Hamas-Terror im Gazastreifen getötet. Sein Schmerz wurde zum Schmerz eines ganzen Landes.”

Zünglein an der Waage: Doppelumschläge und Soldatenstimmen

Über 650.000 Stimmen liegen in sogenannten Doppelumschlägen (“Double Envelopes”). Dazu zählen Wehrdienstleistende, Reservisten im aktiven Einsatz, Krankenhauspatienten und Diplomaten. Ihre Auszählung durch die Zentrale Wahlkommission beginnt erst an den Folgetagen und könnte das rechte Lager leicht begünstigen.

Arabische Parteien – Rekordzuwachs und Königsmacher-Potential

Die arabischen Parteien erzielten ein Rekordergebnis von 17 bis 18 Sitzen, verteilt auf Ra’am (Mansour Abbas) und das Bündnis Hadash-Ta’al. Der Erfolg basiert auf einem überdurchschnittlichen Anstieg der Wahlbeteiligung in arabischen und beduinischen Städten. In der Beduinisch-großstadt Rahat lag die Beteiligung bei 79,8 %, während in Umm al-Fahm die Beteiligung im Vergleich zu 2022 um knapp 5 Prozentpunkte stieg.

  • Prognostizierte Sitze arabischer Parteien: 17-18
  • Wahlbeteiligung in Rahat: 79,8 %
  • Steigerung in Umm al-Fahm: +5 Prozentpunkte gegenüber 2022

“Der zweite Gewinner sind die arabischen Parteien. Ihr Spitzenkandidat Mansour Abbas könnte zum Königsmacher werden”, heißt es in einer Analyse. Trotz Vorbehalte der zionistischen Parteien könnte Abbas in einer Minderheitsregierung eine Schlüsselrolle spielen.

Die Wahlbeteiligung – ein demokratischer Rausch

Rund 7,3 Millionen israelische Staatsbürger waren wahlberechtigt. Von ihnen kamen rund 70.000 Personen eigens aus dem Ausland, um persönlich in einem Wahllokal abzustimmen – das israelische Wahlsystem kennt kein allgemeines Briefwahlrecht. Die lange Warteschlange wurde von vielen als Privileg empfunden, und die Stimmung an den Urnen erinnerte an ein Fest.

  • Gesamte Wahlbeteiligung: 77,7 %
  • Wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger: 7,3 Millionen
  • Aus dem Ausland eingereiste Wähler: ca. 70.000 Personen

Schnellüberblick:

Warum reisten Zehntausende Israelis eigens zur Wahl aus dem Ausland an?

Das israelische Wahlrecht sieht kein allgemeines Briefwahlrecht für im Ausland lebende Zivilisten vor. Wer wählen will, muss zwingend persönlich in einem Wahllokal im Inland erscheinen (Deutschlandfunk 2026).

Kann Gadi Eisenkot ohne arabische Abgeordnete regieren?

Nein. Mit den prognostizierten 52 bis 53 Sitzen verfehlt sein zionistisches Oppositionslager die Kanzlermehrheit von 61 Sitzen deutlich und wäre zwingend auf eine Duldung oder Vereinbarung mit Parteien wie Ra’am angewiesen (AP 2026).

Wann steht das endgültige amtliche Wahlergebnis fest?

Die vollständige Zählung inklusive der doppelten Umschläge dauert voraussichtlich bis Freitag. Das amtliche Endergebnis wird für den 4. November 2026 erwartet, woraufhin Staatspräsident Herzog die Sondierungsaufträge vergibt (Israel Hayom 2026).

Quellen