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Parlamentarische Mehrheitsmechanik durch Zersplitterung der Opposition in Hamburg

Eine aktuelle repräsentative Online-Befragung des Instituts Trend Research im Auftrag von Radio Hamburg liefert ein deutliches Bild der politischen Lage in Hamburg. Während die AfD ihren Stimmenanteil fast verdoppelt und die Linke bei jungen Wählern stark zulegt, verliert die CDU fast acht Prozentpunkte und rutscht auf den fünften Platz. Trotz dieser Verschiebungen bleibt das rot-grüne Regierungsbündnis mit 47 % der Stimmen rechnerisch stark genug, um im Landesparlament die Mehrheit zu sichern.

Ergebnisse der Trend Research Umfrage 2026

  • SPD: 29 %
  • Grüne: 18 %
  • Die Linke: 15 %
  • AfD: 14 %
  • CDU: 12 %
  • Sonstige (BSW, FDP, Volt, weitere Kleinteile): 12 %

Die Umfrage wurde zwischen dem 22. und 27. September 2026 unter 975 wahlberechtigten Personen ab 16 Jahren durchgeführt. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 1,5 bis 3 Prozentpunkten, sodass kleinere Schwankungen im Ergebnis im Rahmen des Messrauschens liegen.

Warum Rot-Grün trotz 47 % Mehrheitsfähigkeit behalten kann

Die rot-grüne Koalition erzielt zusammen 47 % der Stimmen (SPD 29 % + Grüne 18 %). Durch die Fünf-Prozent-Hürde entfallen 11 % der Stimmen auf Parteien, die nicht in den Landtag einziehen (BSW 3 %, FDP 3 %, Volt 2 %, Sonstige 3 %). Damit werden nur noch 89 % der Stimmen auf im Parlament vertretene Parteien verteilt, sodass die 47 % der rot-grünen Parteien mehr als die Hälfte der Mandate sichern.

„Weil Parteien wie BSW (3 %), FDP (3 %), Volt (2 %) und sonstige Kleinparteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, verfallen insgesamt 11 % der Stimmen. Die im Parlament vertretenen Sitze verteilen sich nur auf die verbleibenden 89 %, wodurch 47 % rechnerisch mehr als die Hälfte der Mandate sichern.“

AfD: Verdopplung des Stimmenanteils auf Rekordhoch

Die AfD erreicht in der Umfrage 14 % – fast die doppelte Leistung im Vergleich zur Bürgerschaftswahl im März 2025, wo sie 7,5 % erzielt hatte. Dieser Wert markiert das bislang höchste Ergebnis der Partei in Hamburg.

„Die AfD erreicht in Hamburg einer neuen Umfrage zufolge 14 % und verdoppelt damit ihr Ergebnis der letzten Bürgerschaftswahl.“

Die Partei liegt in allen Altersgruppen (außer unter 30 Jahren) bei mindestens 14 % und erzielt bei Männern und Frauen identisch 14 %.

CDU-Absturz: Historischer Tiefpunkt wieder erreicht

Die CDU verliert fast acht Prozentpunkte und fällt auf 12 % zurück. Damit nähert sie sich ihrem Allzeittief von 11,2 % aus dem Jahr 2020 an. Der Aufschwung auf 19,8 % bei der Bürgerschaftswahl 2025 ist innerhalb von anderthalb Jahren vollständig erodiert.

„Für die Hamburger CDU bedeutet das Umfrageergebnis hingegen eine schwere Zäsur. Nach dem mühsamen Wiederaufstieg auf 19,8 % bei der Bürgerschaftswahl im März 2025 fällt die Partei von Oppositionsführer Dennis Thering mit nunmehr 12 % beinahe wieder auf ihren historischen Tiefstand von 2020 (11,2 %).“

Die Linke gewinnt junge Wähler

Die Linke steigert ihren Gesamtanteil auf 15 % und erzielt in der Alterskohorte unter 30 Jahren mit 27 % den höchsten Wert aller Parteien. Auch bei den 30- bis 39-Jährigen liegt die Zustimmung bei 26 % – die zweitstärkste Kohorte.

„Bei den unter 30-Jährigen steigt die Linke laut Befragung auf 27 % und wird damit zur mit Abstand stärksten politischen Kraft der Hansestadt.“

Der Zuwachs wird vor allem den Frauen und jüngeren Wählern zugeschrieben.

Strukturelle Auswirkungen auf die Regierungsbildung

Durch das Ausscheiden von BSW, FDP, Volt und sonstigen Kleinteilen an der Fünf-Prozent-Hürde sinkt die für eine absolute Mehrheit notwendige Sitzzahl. Die rot-grüne Koalition kann daher trotz Verlusten von fünf bzw. einem Prozentpunkt bei SPD bzw. Grünen die parlamentarische Mehrheit behalten.

Die aktuelle Situation verdeutlicht, dass ein Stimmenanteil unter 50 % in einem stark zersplitterten Parteienfeld ausreichen kann, um die Regierungsbildung zu sichern. Gleichzeitig wird die Opposition weiter fragmentiert – die AfD, die Linke und die CDU kämpfen um die verbleibenden Sitze, während die kleinen Parteien praktisch keinen Einfluss mehr haben.

Schnellüberblick:

Warum reicht Rot-Grün ein Gesamtwert von 47 % für die Regierungsbildung?

Weil Parteien wie BSW (3 %), FDP (3 %), Volt (2 %) und sonstige Kleinparteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, verfallen insgesamt 11 % der Stimmen. Die im Parlament vertretenen Sitze verteilen sich nur auf die verbleibenden 89 %, wodurch 47 % rechnerisch mehr als die Hälfte der Mandate sichern.

Ist die Verdopplung der AfD auf 14 % ein historisches Rekordergebnis in Hamburg?

Ja, bei Bürgerschaftswahlen kam die AfD in Hamburg bislang nie über 7,5 % (2025) bzw. 6,1 % (2015) hinaus. Ein Umfragewert von 14 % markiert das höchste jemals in der Hansestadt für die Partei gemessene Niveau.

Wann wählt Hamburg regulär das nächste Mal?

Die nächste reguläre Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft steht turnusmäßig erst im ersten Quartal 2030 an, da die Bürgerschaft eine fünfjährige Legislaturperiode besitzt und zuletzt am 2. März 2025 gewählt wurde.

Quellen