Am 1. Dezember 2026 verleiht das Land Hessen seine höchste Auszeichnung, die Wilhelm-Leuschner-Medaille, an den amtierenden ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die Ehrung, beschlossen von Ministerpräsident Boris Rhein, gilt nicht nur dem Staatschef, sondern dem gesamten ukrainischen Volk für den unermüdlichen Einsatz zur Verteidigung europäischer Werte im Kontext des russischen Angriffskriegs. Durch die Verknüpfung des aktuellen Freiheitskampfes mit der Tradition des deutschen Widerstands gegen die NS-Diktatur sendet Hessen ein starkes politisches Signal für Demokratie und Freiheit.
Hintergrund der Wilhelm-Leuschner-Medaille
Entstehung und Stiftung 1964
- Gestiftet 1964 von Ministerpräsident Georg August Zinn zum 20. Todestag von Wilhelm Leuschner.
- Seit dem 1. Dezember – dem hessischen Verfassungstag – wird die Medaille jährlich verliehen.
- Sie ist eine undotierte, ideelle Ehrung (0 Euro), die als geprägte Silbermedaille nebst Urkunde überreicht wird.
- Ziel ist die Würdigung von Personen, die sich im Geiste des Widerstandskämpfers Wilhelm Leuschner für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben.
Wilhelm Leuschner – Leben und Widerstand
Wilhelm Leuschner (1890-1944) war sozialdemokratischer Gewerkschaftsführer und hessischer Innenminister im Volksstaat Hessen. Er gehörte zum zivilen Kern des Widerstands um den 20. Juli 1944 und war im gescheiterten Umsturzplan als Vizekanzler vorgesehen. Nach dem gescheiterten Attentat wurde er am 29. September 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Die Medaille erinnert an sein Opfer für Demokratie und dient als Symbol für den Kampf gegen totalitäre Gewalt.
Der 2026er Festakt im Rheingau
Der feierliche Festakt findet in der historischen Basilika des Klosters Eberbach im Rheingau statt. Der Ort wurde von der hessischen Landesregierung als repräsentative Kulisse für herausragende staatliche Zeremonien gewählt. Durch die Wahl des hessischen Verfassungstags (01.12.) knüpft die Landesregierung unmittelbar an die Verfassung von 1946 an, die per Volksabstimmung ratifiziert wurde und seitdem jährlich den Verleihungstag bestimmt.
Die offizielle Übergabe wird von Ministerpräsident Boris Rhein geleitet. Angesichts der anhaltenden Kriegslage in der Ukraine ist die persönliche Anreise des Präsidenten aus Sicherheitsgründen unsicher; mögliche Alternativen sind eine digitale Zuschaltung oder die Übergabe an bevollmächtigte Diplomaten.
Symbolik der Ehrung für die Ukraine
Ministerpräsident Rhein erklärte, Selenskyj habe sich “zu einer Symbolfigur im Kampf gegen militärische Aggression werden lassen”. Er betonte, dass die Auszeichnung auch dem ukrainischen Volk gelte, das seit fast fünf Jahren gegen den völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg kämpfe. Rhein fügte hinzu: “Oft braucht es persönlichen Mut und die Bereitschaft, politische Verantwortung zu übernehmen, um selbstbestimmt und in Freiheit zu leben.”
Er unterstrich weiter: “Unsere Solidarität ist ein Ausdruck der gemeinsamen Überzeugung, dass die Zukunft eines Landes nicht mit militärischer Gewalt bestimmt werden darf.” Die Medaille schafft damit eine direkte Verbindung zwischen dem deutschen Widerstand gegen die NS-Diktatur und dem heutigen ukrainischen Verteidigungskampf für demokratische Selbstbestimmung.
Einordnung in die Reihe früherer Preisträger
Seit ihrer Stiftung hat die undotierte Medaille an herausragende Persönlichkeiten vergeben, die sich für Demokratie und Freiheit engagierten. Zu den jüngsten Preisträgern zählen:
- Margot Friedländer (2025, posthum) – Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin.
- Fritz Bauer (2022, posthum) – früherer hessischer Generalstaatsanwalt und Vorkämpfer für Rechtsstaatlichkeit.
Durch die Einordnung von Selenskyj in diese Historie wird das hohe Renommee der Auszeichnung verdeutlicht und das Symbol für internationalen Widerstand gegen Unterdrückung weiter gestärkt.
Kontroversen und kritische Perspektiven
Die Ehrung ist nicht frei von Debatten. Zwei zentrale Punkte werden häufig diskutiert:
- Sicherheitslage und Reiseunsicherheit: Der anhaltende Krieg in der Ukraine und strenge Sicherheitsvorkehrungen machen es unklar, ob Selenskyj persönlich nach Hessen reisen kann. Dies könnte die Wirkung einer physischen Übergabe mindern.
- Innenpolitische Polarisierung: Parteien am politischen Rand, wie die AfD und BSW, kritisieren die Ehrung und fordern entweder eine Ablehnung westlicher Militärhilfe oder äußern generelle Skepsis gegenüber politischer Parteinahme für die ukrainische Führung.
Dennoch betont die hessische Landesregierung, dass die Auszeichnung ein klares Zeichen für Solidarität und den Schutz der Freiheit sei, unabhängig von innenpolitischen Kontroversen.
Schnellüberblick:
Was genau ist die Wilhelm-Leuschner-Medaille?
Sie ist die höchste Auszeichnung des Landes Hessen, die seit 1964 jährlich an Personen verliehen wird, die sich im Geiste des von den Nationalsozialisten ermordeten Widerstandskämpfers Wilhelm Leuschner für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben.
Wann und wo wird die Medaille überreicht?
Die Übergabe findet traditionell am Hessischen Verfassungstag am 1. Dezember statt; für das Jahr 2026 ist die Basilika des Klosters Eberbach im Rheingau vorgesehen.
Ist die Auszeichnung mit einem Preisgeld verbunden?
Nein, die Wilhelm-Leuschner-Medaille ist eine rein ideelle, undotierte Ehrenauszeichnung und wird als geprägte Silbermedaille nebst Urkunde verliehen.






