Beim Deutschlandtag der Jungen Union in Bonn ließ NRW-Staatskanzleichef Nathanael Liminski keine halben Dinge. Mit Verweisen auf historische stalinistische Säuberungen und scharfen Formulierungen wie „Judenhasser und Clan-Freunde“ forderte er den sofortigen Ausschluss extremistischer Mitglieder aus der Berliner Linken. Die Äußerungen fielen in einen brisanten Kontext: Nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026 stand die Linke mit 25,7 % als stärkste Kraft im Fokus von Antisemitismus– und Clan-Vorwürfen, während SPD und Grüne über die Fortsetzung ihrer Koalitionssondierungen stritten.
Liminskis Rhetorik beim JU-Deutschlandtag
Im Grußwort beim JU-Deutschlandtag sagte Liminski wortwörtlich:
„Judenhasser und Clan-Freunde gehören nicht mit irgendwelchen Selbsthilfegruppen therapiert, sondern aus demokratischen Parteien ausgeschlossen.“
Später ergänzte er:
„Wenn es eines gibt, was Die Linke mit ihren Ursprüngen im Stalinismus können müsste, dann wäre das doch politische Säuberung.“
Und kritisierte weiter:
„Moralisch erhabene Spinner machen sich zu den nützlichen Idioten knallharter Extremisten, und das soll dann auch noch in Arbeitskreisen wegmoderiert werden.“
Damit zielte er darauf ab, die Berliner Linken unter Druck zu setzen, indem er die Diskussion um Antisemitismus und organisierte Kriminalität mit der historischen Metapher des „Großen Terrors“ (1936-1938) verknüpfte.
Berliner Wahl 2026: Ergebnis und Kontroversen
- Wahlergebnis: Die Linke Berlin erzielte 25,7 % der Stimmen am 20. September 2026 und wurde stärkste Kraft.
- Skandal um Clan-Kontakte: Auf einer Wahlparty in Neukölln wurden Verbindungen zu Vertretern des Remmo-Clans sowie zu sympathisierenden Personen des radikalen Milieus PFLP öffentlich.
- Einzelfall Ferat Koçak: Der Bundestagsabgeordnete geriet wegen Chats mit Clan-Mitgliedern unter Druck.
Die Vorwürfe lösten bundespolitische Debatten aus, denn die Linke wollte mit SPD und Grünen eine Regierungskoalition in Berlin bilden. Die Sondierungen wurden jedoch von SPD und Grünen zeitweise ausgesetzt, um einen verbindlichen Prüf- und Schlichtungsmechanismus gegen Antisemitismus und Clan-Kontakte zu etablieren.
Parteiausschluss in Deutschland: Rechtliche Hürden
Das deutsche Parteiengesetz (§ 10 Abs. 4 PartG) definiert die Voraussetzung für einen Parteiausschluss:
- Vorsätzlicher Verstoß gegen Parteigrundsätze mit schwerem Schaden.
Ein solcher Ausschlussverfahren muss in der Regel mehrere Monate dauern und vor unabhängigen Schiedsgerichten verhandelt werden. Deshalb können Parteiführungen nicht einfach per Vorstandsbeschluss Mitglieder „ausradieren“, sondern setzen Kontrollgremien und interne Regelwerke ein.
Historische Parallelen: Stalinscher Terror und heutiger Diskurs
Liminski spielte bewusst auf die „Stalinschen Säuberungen“ an, die von 1936 bis 1938 im Rahmen des Großen Terrors stattfanden und für hunderttausende Todesopfer verantwortlich waren. Kritiker warnen jedoch vor einer Verharmlosung:
- Der Begriff „politische Säuberung“ ist historisch mit staatlichem Massenmord und Schauprozessen verbunden.
- Die rhetorische Übertragung auf aktuelle Parteispannungen birgt das Risiko, die historische Tragödie zu bagatellisieren.
Die Gefahr, dass solche Vergleiche als Entgleisung wahrgenommen werden, wird in den Medien und von Historikern betont.
Reaktionen von SPD, Grünen und der Linken
SPD und Grüne reagierten auf die Vorwürfe, indem sie die Sondierungen kurzzeitig unterbrachen und die sogenannte „Berliner Vereinbarung“ einführten. Diese soll Antisemitismus und Verbindungen zur organisierten Kriminalität regulieren, bevor Koalitionsverhandlungen fortgeführt werden.
Die Linke um Spitzenkandidatin Elif Eralp setzte dagegen auf ein Beschluss- und Stabsstellenmodell, das Pauschalausschlüsse vermied und stattdessen intern geprüfte Verfahren etablierte. Damit wies die Partei auf die hohen Hürden des Parteiengesetzes hin und betonte die Notwendigkeit einer fairen Schiedsgerichtsbarkeit.
Schnellüberblick:
Was war der genaue Auslöser für Liminskis Vorwurf bezüglich „Clan-Freunden“?
Auslöser waren Enthüllungen nach der Berliner Wahl vom September 2026, wonach führende Berliner Linken-Politiker wie Ferat Koçak Kontakte zum Remmo-Clan pflegten und Clan-Größen auf der Linken-Wahlparty in Neukölln anwesend waren.
Wie reagierten SPD und Grüne in Berlin auf die Extremismusvorwürfe?
Sie unterbrachen die Sondierungen kurzzeitig und setzten eine verbindliche „Berliner Vereinbarung“ durch, die Antisemitismus und Verbindungen zur organisierten Kriminalität reguliert, bevor sie Koalitionsverhandlungen zustimmten.
Welche rechtlichen Voraussetzungen muss ein Parteiausschluss nach dem Parteiengesetz erfüllen?
Nach § 10 Abs. 4 PartG ist ein vorsätzlicher Verstoß gegen Parteigrundsätze mit schwerem Schaden nötig. Das Verfahren wird in der Regel von unabhängigen Schiedsgerichten über mehrere Monate verhandelt.
Warum wird die historische Referenz zu den Stalinschen Säuberungen kritisiert?
Der Begriff steht für staatlichen Massenmord und Schauprozesse mit Hunderttausenden Toten; die rhetorische Empfehlung einer solchen Säuberung birgt das Risiko, die Tragödie zu verharmlosen und politischen Diskurs unnötig zu eskalieren.
Quellen
- https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/nrw-minister-empfiehlt-linker-politische-saeuberung-14300345
- https://www.juedische-allgemeine.de/politik/offener-brief-wehret-den-anfaengen-gilt-auch-links-bischof-staeblein/
- https://www.spiegel.de/politik/deutschland/berlin-linke-spd-und-gruene-sagen-antisemitismus-und-organisierter-kriminalitaet-den-kampf-an-a-1294821a
- https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/berlin-linke-antisemitismus-erklaerung-100.html





