Im September 2026 löste ein Instagram-Leak, in dem private Nachrichten zwischen dem Links-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak und dem Umfeld des berüchtigten Remmo-Clans veröffentlicht wurden, eine heftige Debatte aus. Der Vorfall wirft nicht nur Fragen zur Integrität von Abgeordneten im Innenausschuss auf, sondern hat auch sicherheitspolitische Implikationen, die das gesamte Koalitionsgefüge in Berlin belasten.
Hintergrund und Chronologie des Instagram-Leaks
Am 17. Februar 2026 teilte Firas Remmo, Sohn von Clan-Chef Issa Remmo, auf Instagram Bildschirmfotos einer privaten Direktnachricht, die er mit Ferat Koçak geführt hatte. Der Inhalt lässt sich wie folgt zusammenfassen:
- Koçak bat um die Weiterverbreitung eines Videoausschnitts seiner Bundestagsrede, in der er den Begriff „Clankriminalität“ kritisierte.
- Er übermittelte „Grüße mit Respekt“ an den Vater, Issa Remmo, und dankte für den Kontakt.
- Der Austausch erfolgte über die Direktnachrichtfunktion des Plenarvideos.
Die Veröffentlichung erfolgte durch Firas Remmo selbst, der die Screenshots auf Instagram teilte. Kurz darauf erschien ein Bericht im Tagesspiegel, der den Inhalt des Chatverlaufs detailliert dokumentierte.
Parteiinterne Spannungen und Distanzierung durch Petra Pau
Während die Linksfraktionsspitze um Sören Pellmann und Heidi Reichinnek zunächst Koçaks Schilderungen unterstützte, äußerten andere Fraktionsmitglieder deutliche Kritik. Die langjährige Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau ging öffentlich auf Distanz. Sie forderte klare Konsequenzen und stellte das Narrativ bloßer Naivität infrage. In der Folge setzte Koçak seine Mitgliedschaft im Innenausschuss sowie öffentliche Parteiauftritte bis zur vollständigen Klärung auf „ruhend“.
- Fraktionsstatus: Ruhend (2026)
- Verzicht auf öffentliche Auftritte und Ausschusssitzungen
Petra Pau betonte: „Der Vorfall darf nicht als bloße Naivität abgetan werden – er stellt das Vertrauen in die Arbeit des Innenausschusses infrage.“
Befugnisse und sicherheitsrelevante Bedeutung des Innenausschusses
Der Bundestags-Innenausschuss behandelt regelmäßig vertrauliche Lagebilder zur Schwerkriminalität sowie Berichte von BKA und Bundesamt für Verfassungsschutz. Der Zugang zu diesen Informationen macht die Beteiligung von Mandatsträgern mit Kontakten zum Clanmilieu zu einem potenziellen Sicherheitsrisiko.
- Sondersitzung (2026): Antrag eines Berichts im Innenausschuss durch Union und SPD.
- Monatliche Abgeordnetenentschädigung: 11.833 Euro (2026).
Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der Union-Fraktion, bezeichnete die Situation als ein „veritables Sicherheitsrisiko„:
„Wir werden heute einen Bericht zu eventuellen Verbindungen der Linkspartei zur organisierten Kriminalität hier in Berlin haben. Es gibt offensichtlich sehr, sehr enge Verbindungen der Linkspartei mit der organisierten Kriminalität hier in Berlin. Und das ist ein veritables Sicherheitsrisiko für diese Stadt, vielleicht sogar für unser ganzes Land.“
Die Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Irene Mihalic forderte darüber hinaus den Rücktritt Koçaks und kritisierte, dass er trotz des Rückzugs weiterhin 11.833 Euro im Monat erhalte:
„Jetzt bekommt er 11.833 Euro für nichts. Ein Ausschluss aus der Linksfraktion ist das Mindeste.“
Öffentliche und mediale Reaktionen
Die Enthüllungen wurden von mehreren Medien aufgegriffen. Der Tagesspiegel berichtete ausführlich über den Chatverlauf und die Fraktionsreaktionen. WELT-TV veröffentlichte ein Interview mit Alexander Throm, in dem er die Gefahr für die innere Sicherheit betonte. Zusätzlich äußerte der WELT-Investigativchef Alexander Dinger eine „Warnung“, dass das Problem strukturell sei und auch bei der Polizei beobachtet werde.
Weitere Stimmen aus der politischen Mitte, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, wurden im Kontext der breiteren Debatte über politische Stabilität und Sicherheit zitiert, ohne jedoch direkt auf den Koçak-Fall einzugehen.
Schnellüberblick:
Was war der konkrete Inhalt der veröffentlichten Nachrichten?
Koçak übermittelte respektvolle Grüße an Clanchef Issa Remmo und bat dessen Sohn Firas Remmo, einen Clip seiner Rede gegen den Begriff „Clankriminalität“ in sozialen Medien zu verbreiten.
Welche Konsequenzen hat Ferat Koçak bislang gezogen?
Er räumte öffentlich einen Fehler ein, entschuldigte sich und lässt seine Mitgliedschaft im Innenausschuss sowie öffentliche Parteiauftritte bis zur vollständigen Klärung ruhen.
Wie reagierten die anderen Fraktionsmitglieder?
Petra Pau forderte klare Konsequenzen, während die Linksfraktionsspitze zunächst Koçaks Darstellung unterstützte. Die Grünen-Fraktion drängte auf einen Rückzug aus dem Parlament.
Welche sicherheitspolitischen Bedenken gibt es?
Der Innenausschuss hat Zugriff auf vertrauliche Lagebilder zu Schwerkriminalität. Der Kontakt des Abgeordneten zu einem Clan, der in Berlin aktiv ist, könnte die Weitergabe sensibler Informationen gefährden. Union und SPD beantragten deshalb eine Sonder-Sitzung, um den Vorfall zu prüfen.
Welche Gegenargumente wurden vorgebracht?
Koçak betonte, dass er als Abgeordneter täglich hunderte Anfragen aus seinem Wahlkreis Neukölln beantworte, ohne die Identitäten der Anfragenden vorab polizeilich zu prüfen. Die Linke argumentierte zudem, dass der Begriff „Clankriminalität“ nicht strafrechtlich kodifiziert sei und eine pauschale Stigmatisierung von Großfamilien fördere.
Wie könnte die Debatte die Koalitionsverhandlungen beeinflussen?
Die Diskussion fällt in die Sondierungsphase nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Gegner sehen das Risiko einer parteipolitischen Instrumentalisierung, um mögliche Koalitionsoptionen der Linken zu schwächen.
Quellen
- https://www.tagesspiegel.de/berlin/das-laute-schweigen-der-fraktionskollegen-kocaks-clan-chat-und-was-prominente-linke-dazu-nicht-sagen-16087541.html
- https://taz.de/Wegen-Clan-Kontakten/!6036125/
- https://www.juedische-allgemeine.de/politik/chat-mit-clan-linke-politiker-zieht-sich-vorerst-zurueck/
- https://www.tagesspiegel.de/berlin/wer-im-wahlkampf-nicht-fuhren-konnte-sollte-das-auch-spater-nicht-tun-grune-drangen-berliner-spitzen-duo-graf-und-jarasch-zum-ruckzug-16083597.html






