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Konkrete Befunde des INSM-Bildungsmonitors 2026 für Nordrhein-Westfalen

Im Herbst 2026 löste der INSM-Bildungsmonitor eine hitzige Debatte im Landtag von Nordrhein-Westfalen aus. Während das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) NRW im Gesamtranking auf Platz 14 von 16 Bundesländern einordnete, geriet das Land gleichzeitig wegen rassistischer Äußerungen eines AfD-Abgeordneten in die Kritik. Die vorliegenden Zahlen zeigen strukturelle Defizite bei den Bildungsausgaben und der Schulqualität, während wissenschaftliche Analysen klar belegen, dass sozioökonomische Faktoren und Sprachkompetenz die wesentlichen Erklärungsvariablen für Leistungsunterschiede sind.

Ergebnisse des INSM-Bildungsmonitors 2026 für NRW

Der Bildungsmonitor, beauftragt vom Institut der deutschen Wirtschaft, bewertet 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern. Für das Bundesland ergeben sich folgende Kernbefunde:

  • Gesamtranking: Platz 14 von 16 (nur Bremen liegt schlechter).
  • Handlungsfeld Schulqualität: Platz 15 von 16 – damit das vorletzte Ergebnis im Bundesvergleich.
  • Bildungsausgaben je Grundschulkind: 8.100 Euro, damit 900 Euro unter dem bundesweiten Durchschnitt von 9.000 Euro.
  • Rund ein Drittel (29,5 %) der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler verfehlte 2022 die Mindeststandards in Mathematik (PISA-Ergebnis).

Diese harten Vergleichsdaten lösten im Landtag eine „Aktuelle Stunde“ aus, in der Vertreter*innen von SPD, FDP und Grünen mehr finanzielle Mittel und gezielte Förderprogramme forderten.

Wissenschaftliche Einordnung: Sozioökonomischer Status statt Genetik

Empirische Bildungsforschung (OECD/PISA) und psychologische Intelligenzforschung widerlegen die These, dass Herkunft genetisch bedingte IQ-Unterschiede erzeugt. Studien zeigen, dass:

  • Leistungsunterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund fast vollständig durch den sozioökonomischen Status (ESCS-Index) und die zu Hause gesprochene Sprache erklärt werden.
  • Wenn der soziale Hintergrund statistisch herausgerechnet wird, schrumpfen die Leistungsabstände drastisch.
  • Internationale Fachgesellschaften (z. B. American Psychological Association) klassifizieren die Idee von „Niedrig-IQ-Regionen“ als methodisch fehlerhaft und rassistisch.

Ein Zitat aus der Debatte verdeutlicht die Gegenposition: „IQ hat nichts mit der Herkunft zu tun“, sagte die Grünen-Abgeordnete Lena Zingsheim-Zobel, während sie die AfD-Aussagen kritisierte.

Bedeutung von Sprachkompetenz für den Bildungserfolg

Sprachliche Defizite stellen einen entscheidenden Einflussfaktor dar. Laut dem Leibniz-Institut für Bildungsverläufe verfügen 62 % der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund über ausreichende Deutschkenntnisse (Stand 2022). Der gleiche Bericht dokumentiert, dass im Zeitraum 2018-2022 der durchschnittliche Kompetenztrend bei Zuwanderungskindern um 8 Prozentpunkte stieg, wenn gezielte Sprachförderung eingesetzt wurde.

  • Unzureichende Deutschkenntnisse führen zu deutlich schlechteren Leistungen in schulischen Leistungsvergleichen.
  • Intensive Sprachförderprogramme können die Leistungslücken innerhalb von sechs Jahren um etwa acht Prozentpunkte verringern.
  • Institutionelle Maßnahmen in der Sprachintegration sind damit zentraler Hebel für die Bildungspolitik.

Politische Debatte im Landtag: Kontroverse um AfD-Aussagen

Der AfD-Abgeordnete Christian Blex verknüpfte die Bildungskrise mit einer „seit Jahren völlig unkontrollierten Massenzuwanderung aus Niedrig-IQ-Regionen“. Er formulierte: „Sie betreiben semantische Akrobatik, nur um den riesigen rosa Elefanten nicht beim Namen nennen zu müssen, der mitten in unseren Klassenzimmern steht.“ Diese Aussage löste Empörung aus. Die Grünen-Abgeordnete Gönül Eglence bezeichnete das Vorgehen als „Rassenlehre in reinster Form“.

Weitere Reaktionen:

  • Christian Loose (AfD) forderte die Trennung von Kindern mit unzureichenden Deutschkenntnissen in separaten Klassen.
  • SPD-Oppositionsführer Jochen Ott sprach von einem historischen Tiefpunkt: „Noch nie haben Jugendliche in Deutschland in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften schlechter abgeschnitten.“
  • Schulministerin Dorothee Feller (CDU) betonte die Erfolge von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund, ohne die AfD-Rhetorik direkt zu adressieren.

Die Debatte verdeutlicht die Kluft zwischen empirisch belegten Ursachen (Finanzierungslücken, sozioökonomische Benachteiligung, Sprachdefizite) und populistisch-rassistischen Erklärungsversuchen.

Methodische Grenzen und kritische Betrachtungen

Der INSM-Bildungsmonitor wird von einer arbeitgebernahen Initiative herausgegeben und gewichtet ökonomische Faktoren stark. Kritiker*innen weisen darauf hin, dass die Studie nicht identisch ist mit den schulischen Kompetenztests der Kultusministerkonferenz (IQB) und daher methodische Grenzen besitzt. Dennoch liefert sie handfeste Vergleichsdaten, die strukturelle Defizite sichtbar machen.

  • Starke Gewichtung von Fachkräftesicherung und Ausgabenpriorisierung.
  • Unterschiedliche Erfassungsinstrumente zu schulischen Kompetenztests.
  • Gefahr der Stereotypisierung durch populistische Rhetorik, die strukturelle Chancenungleichheit verkennt.

Schnellüberblick:

Was sagt die Wissenschaft zur These von „Niedrig-IQ-Regionen“?

Die internationale Psychologie (z. B. American Psychological Association) und die Bildungsforschung weisen die These als methodisch fehlerhaft und rassistisch zurück. Unterschiede in kognitiven Leistungstests resultieren aus Ernährung, Gesundheit, Beschulungsgrad und Testvertrautheit (Flynn-Effekt), nicht aus Genetik.

Warum schneidet NRW im Bildungsmonitor bei der Schulqualität so schlecht ab?

Hauptgründe sind unterdurchschnittliche Kompetenzwerte bei Neuntklässlern in Mathematik und Naturwissenschaften sowie ein bundesweit unterdurchschnittliches Niveau der Grundschulausgaben je Schüler (8.100 Euro gegenüber 9.000 Euro im Bundesschnitt).

Spielt Sprachbarriere eine Rolle bei der Leistung von Zuwanderungskindern?

Ja – Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen schneiden deutlich schlechter ab. Gezielte Sprachförderung steigert die Leistung und verringert die Abstände zum deutschen Durchschnitt um etwa 8 Prozentpunkte innerhalb von Jahren.

Quellen