Am 26. August 2026 trafen der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und der AfD–Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in der MDR-Wahlarena aufeinander – nur eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl am 6. September. Der verbale Schlagabtausch zeigte nicht nur die wachsende Polarisierung im Wahlkampf, sondern verdeutlichte auch die drohende Blockade- bzw. Regierungsbildungskrise, weil die AfD mit über 40 Prozent in den Umfragen liegt und beide Parteien gegenseitige Koalitionen strikt ausschließen.
Hintergrund des Begriffs „Flachzange“ und Weidel-Vorwurf
Der Ausdruck „Flachzange“ stammt aus einer Äußerung der AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel, die Regierungsmitglieder pauschal mit diesem Schimpfwort bezeichnete. Siegmund griff diese Wortwahl auf und benutzte sie in der Sendung „Fakt ist! Das Duell“ gegen Schulze. Er betonte dabei, dass es sich um ein rein politisches Urteil handele und nicht um eine persönliche Beleidigung.
„Ich labere nicht nur, ich liefere.“ erklärte Siegmund, während er die Wirtschaftspolitik der CDU kritisierte. Schulze reagierte scharf: „Mir würde es nie einfallen, Sie als Flachzange zu bezeichnen. Es gibt doch ein gewisses Niveau.“ Der Austausch verdeutlicht, wie stark die Rhetorik der AfD bereits auf Bundesebene die Landesdebatte beeinflusst.
Verfassungsschutz-Einstufung des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt
Seit November 2023 stuft das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt den dortigen AfD-Landesverband als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ ein. In der TV-Runde wies Schulze darauf hin, dass die Umgebung von Siegmund von „sehr gefährlichen, sehr extremen Menschen“ geprägt sei. Er betonte, dass er nicht über die Person Siegmund urteilen könne, aber das Umfeld kenne er gut.
Diese behördliche Bewertung liefert einen wichtigen Kontext für Schulzes Vorwurf, dass die AfD kein verlässliches Wirtschaftskonzept habe und gleichzeitig ein extremistisches Netzwerk umhalte.
Wirtschaftspolitik und Industrieprojekte im Wahlkampf
Ein zentrales Thema des Duells war die Zukunft der sachsen-anhaltischen Wirtschaft. Schulze setzte auf große Industrieprojekte, namentlich den Chemiestandort SKW Piesteritz im Landkreis Wittenberg, und betonte die Notwendigkeit von Fachkräftezuwanderung. Er erklärte: „Wir sind auf dem richtigen Weg, investieren in Piesteritz und sichern damit Arbeitsplätze.“
Siegmund hingegen kritisierte die Migrations- und Fachkräftepolitik der CDU und forderte eine stärkere Rückholung deutscher Fachkräfte. Er präsentierte sein Konzept als „weniger Migration, mehr Rückkehr“, ohne dabei konkrete Zahlen zu nennen.
Koalitionsarithmetik und Regierungsbildungschancen
Die Umfragewerte machen die Koalitionsbildung zu einer Herausforderung. Siegmund strebt eine Alleinregierung an und lehnt jede Zusammenarbeit mit anderen Parteien ab. Schulze schließt sowohl Koalitionen mit der AfD als auch mit der Linkspartei strikt aus. Damit bleibt nur die Möglichkeit einer Mitte-Koalition aus CDU, SPD und Grünen, die jedoch bei den aktuellen Zahlen nicht mehr die notwendige Mehrheit erreichen kann.
Die mathematischen Konsequenzen sind deutlich: Bei einem AfD-Ergebnis von 42 % und den restlichen Parteien, die jeweils unter 22 % liegen, fehlt eine stabile Regierungsmehrheit. Dies könnte zu einer langwierigen Regierungs- und Haushaltskrise führen.
Umfragewerte und mögliche Folgen für Sachsen-Anhalt
Die aktuelle Sonntagsfrage von Infratest-dimap (Stand 2026) liefert folgende Werte:
- AfD: 42 %
- CDU: 22 %
- Die Linke: 11 %
- SPD: 8 %
- Bündnis 90/Die Grünen: 6 %
- BSW: 4 %
- Sonstige: 7 %
Die hohen AfD-Zustimmungswerte erhöhen das Risiko einer parlamentarischen Handlungsunfähigkeit. Sollte die AfD die Mehrheit der Sitze gewinnen, könnten alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit ausschließen – das würde eine stabile Regierungsbildung verhindern und das Land in eine Haushaltskrise stürzen.
Gleichzeitig besteht ein wirtschaftliches Risiko: Während die CDU auf internationale Fachkräfte und große Investitionen setzt, basiert das AfD-Programm auf einer Rückholung deutscher Arbeitskräfte. Wirtschaftsverbände warnen, dass ein solches Konzept das Ansehen des Standorts bei internationalen Unternehmen beschädigen könnte.
Schnellüberblick:
Warum bezeichnete Ulrich Siegmund Sven Schulze als „Flachzange“?
Siegmund griff eine Wortmeldung der AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel auf, die Regierungsmitglieder pauschal so genannt hatte. Er betonte, dass die Bezeichnung politisch und nicht persönlich gemeint sei.
Welche Koalitionen schließt Ministerpräsident Sven Schulze aus?
Schulze schließt eine Koalition mit der AfD strikt aus und lehnt zudem ein Regierungsbündnis mit Ministerposten für Die Linke ab. Er setzt stattdessen auf eine Mitte-Koalition.
Wie stuft der Verfassungsschutz die AfD Sachsen-Anhalt ein?
Das Landesamt für Verfassungsschutz stuft den AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt seit November 2023 als gesichert rechtsextremistisch ein.
Quellen
- https://www.welt.de/politik/deutschland/article253205770/MDR-Wahlarena-Siegmund-bezeichnet-Schulze-als-politische-Flachzange-der-beklagt-fehlendes-Niveau.html
- https://www.focus.de/politik/deutschland/schlagabtausch-vor-der-wahl-siegmund-nennt-schulze-flachzangeid260256877.html
- https://www.deutschlandfunk.de/verfassungsschutz-stuft-afd-sachsen-anhalt-als-gesichert-rechtsextremistisch-ein-102.html
- https://www.deutschlandfunk.de/tv-streitgespraech-der-spitzenkandidaten-ministerpraesident-schulze-cdu-zuwanderung-unverzichtbar-100.html






