Herzkreislauferkrankungen gelten weltweit als häufigste Todesursache – doch die Risikofaktoren bei Frauen unterscheiden sich häufig von denen bei Männern. Ein besseres Verständnis dieser geschlechtsspezifischen Faktoren kann zu früherer Erkennung und gezielter Behandlung führen. Die nachfolgenden Abschnitte fassen die wichtigsten Erkenntnisse aus aktuellen Studien und Aussagen von Expertinnen zusammen.
Spezifische Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen bei Frauen
Während Rauchen, hohe Cholesterinwerte und Diabetes allgemein als Risikofaktoren gelten, gibt es bei Frauen zusätzliche, oft übersehene Einflussgrößen:
- Fehl- und Totgeburten erhöhen das kardiovaskuläre Risiko um 20 % bis 30 %.
- Komplikationen während der Schwangerschaft, insbesondere Präeklampsie, steigern das Risiko langfristig um 30 % (Studie 2021).
- Der Einsatz hormoneller Verhütungsmittel in Kombination mit Rauchen kann das Risiko für einen Herzinfarkt um das Zehnfache erhöhen.
- Überstandene Krebserkrankungen, die Menopause und andere geschlechtsspezifische Gesundheitszustände tragen ebenfalls zu einem erhöhten Risiko bei.
„Bei Frauen gibt es einfach noch viele andere Risikofaktoren“, betont Kardiologin Julia Lueg vom Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) in einem Pressegespräch zum Tag der Frauengesundheit.
Einfluss von Schwangerschaft und Komplikationen
Schwangerschaft ist ein kritischer Zeitraum, in dem Frauen intensiv mit dem Gesundheitssystem interagieren. Studien zeigen, dass bestimmte Komplikationen langfristige Folgen für die Herzgesundheit haben:
Präeklampsie und Gestationsdiabetes
Frauen, die eine Präeklampsie erlitten haben, weisen ein um 30 % erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen auf (S2, 2021). Gestationsdiabetes wird ähnlich bewertet – beide Zustände signalisieren ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, das über die Schwangerschaft hinaus bestehen bleibt.
Weitere Schwangerschaftsrisiken
- Schwangerschaftsbluthochdruck
- Frühgeburten
- Komplikationen nach einer Totgeburt
Die Daten unterstreichen die Notwendigkeit, Frauen während der Schwangerschaft systematisch zu screenen, um langfristige gesundheitliche Folgen frühzeitig zu erkennen.
Hormonelle Verhütung, Rauchen und das kombinierte Risiko
Die Einnahme der Antibabypille ist für viele Frauen ein sicherer Verhütungsmechanismus. Kombiniert man diese Einnahme jedoch mit dem Rauchen, steigt das Risiko für einen Herzinfarkt um das 10-fache (2020, Quelle S1). Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass Lifestyle-Faktoren in Verbindung mit medikamentöser Verhütung besonders kritisch sind.
Bedeutung von Aufklärungskampagnen
Aufklärungskampagnen können das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Risiken deutlich erhöhen. Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2022 gaben nur 45 % der befragten Frauen an, ausreichend über kardiovaskuläre Risiken informiert zu sein. Damit besteht ein erheblicher Aufklärungsbedarf.
„Bewusstseins- und Aufklärungskampagnen sind entscheidend, um die Gesundheitsversorgung für Frauen zu verbessern“, erklärt die Fachärztin. Durch gezielte Information können Frauen motiviert werden, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen und Risikofaktoren frühzeitig zu adressieren.
Infrastruktur und geschlechtsspezifische Versorgung
Ein häufig genanntes Hindernis ist die fehlende Infrastruktur für langfristige, geschlechtsspezifische Gesundheitsversorgung. Ohne spezialisierte Angebote können die besonderen Bedürfnisse von Frauen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Das DHZC bietet bereits spezialisierte Programme, etwa die „Survivorship Clinic“ für Frauen mit Risikoschwangerschaften oder nach überstandenen Krebserkrankungen, doch laut Julia Lueg fehlt diese Infrastruktur vielerorts.
„Dieser Moment, in dem Frauen in einer Schwangerschaft ans Gesundheitssystem andocken, den müssen wir nutzen“, betont Lueg. Der Besuch beim Frauenarzt sollte als Gelegenheit gesehen werden, umfassende kardiovaskuläre Risikoanalysen durchzuführen und Aufklärung zu bieten.
Schnellüberblick:
Was sind die Haupt-Risikofaktoren für Herzerkrankungen bei Frauen?
Haupt-Risikofaktoren sind neben familiärer Vorbelastung Herzkrankheiten auch Komplikationen während der Schwangerschaft (z. B. Präeklampsie, Gestationsdiabetes) sowie der Einsatz hormoneller Verhütungsmittel in Kombination mit Rauchen.
Wie stark erhöht die Kombination von Pille und Rauchen das Risiko für einen Herzinfarkt?
Die Kombination führt zu einer zehnfachen Erhöhung des Herzinfarktrisikos (2020, Quelle S1).
Welchen Einfluss haben Fehl- und Totgeburten auf das kardiovaskuläre Risiko?
Fehl- und Totgeburten steigern das Risiko um 20 % bis 30 %.
Wie hoch ist das Risiko für Herzkreislauferkrankungen nach einer Präeklampsie?
Frauen mit einer Vorgeschichte von Präeklampsie haben ein um 30 % erhöhtes Risiko (2021, Quelle S2).
Wie viele Frauen fühlen sich über kardiovaskuläre Risiken informiert?
Im Jahr 2022 gaben 45 % der befragten Frauen an, ausreichend informiert zu sein.






