Die USA haben unter Vermittlung von Jared Kushner und Steve Witkoff einen überraschenden Vorschlag präsentiert: Die Wiederaufnahme von russischen Erdgaslieferungen nach Europa über die ukrainischen Transitpipelines im Zuge von Waffenruhe-Verhandlungen. Der Plan verspricht kurzfristige Versorgungssicherheit vor dem bevorstehenden Winter, wirft jedoch komplexe rechtliche, wirtschaftliche und geopolitische Fragen auf.
Hintergrund des US-Vorschlags
Washington drängt, laut einem Bericht des Wall Street Journal von 2026, darauf, das gestoppte Gas aus Russland wieder über die Ukraine nach Europa zu leiten. Die Idee, die bereits im September in Gesprächen in Moskau und Kiew diskutiert wurde, sieht einen US-Zwischenhändler vor, der die Lieferungen koordiniert. Einnahmen Russlands sollen nach Vorstellung des Weißen Hauses auf einem Treuhandkonto in einem Drittstaat hinterlegt werden, um zu verhindern, dass das Geld direkt zur Kriegsfinanzierung verwendet wird. Die Ukraine könnte dafür Transitgebühren erheben.
Aktuelle Lage der europäischen Gasversorgung
Die EU hat beschlossen, die russischen Gasimporte bis Ende 2027 vollständig auslaufen zu lassen. Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine stammten noch 45 % des europäischen Erdgases aus Russland, inzwischen sind es nur noch elf Prozent. US-Flüssiggas deckt dagegen rund 30 % des europäischen Verbrauchs.
Nach diesem Absatz folgt die technische Einschätzung: Die ukrainischen Transitpipelines sind nach Ablauf des Vertrags zwischen Gazprom und Naftogaz im Januar 2025 zwar stillgelegt, aber weiterhin einsatzfähig. Das bedeutet, dass die physische Infrastruktur für eine Rückführung des russischen Gases theoretisch bereits vorhanden ist (The Wall Street Journal 2026).
Technische Machbarkeit und Kostenstruktur
- Die Pipelines bleiben nachweislich intakt und könnten ohne größere bauliche Maßnahmen genutzt werden.
- Die letzte gültige Transitgebühr betrug 103,09 USD pro 1.000 m³ Gas (Stand November 2024, Quelle S1).
- Die Gewinnungskosten für russisches Leitungsgas liegen bei etwa 31 USD/MMBtu (2026, Quelle S5).
Im Vergleich dazu liegen die aktuellen TTF-Preise für Gas bei über 100 Euro pro Megawattstunde, während die europäischen Gasspeicher nur zu 75 % gefüllt sind. Die Preis- und Lagerlage verstärkt die US-Argumentation, dass ein kurzfristiger Import über die Ukraine die Versorgungssicherheit erhöhen könnte.
Rechtlicher Kontext: REPowerEU-Verordnung
Die EU-Strategie REPowerEU sieht vor, die Abhängigkeit von russischer Energie bis Ende 2027 zu beenden. Kritiker fragen, ob ein US-Zwischenhändler das Embargo umgehen kann, ohne gegen die Verordnung zu verstoßen. Der Vorschlag könnte als Ausnahmeregelung interpretiert werden, die den rechtlichen Rahmen der EU in Frage stellt.
Politischer Widerstand in der EU
Ein erheblicher Teil der Mitgliedstaaten steht dem US-Ansatz skeptisch gegenüber. Laut einem diplomatischen Bericht aus dem Oktober 2026 äußerten 76 % der EU-Mitglieder öffentlichen Widerstand gegen die US-Position. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen betont:
“Ich würde Russland ganz sicher nicht vertrauen.”
Diese Haltung spiegelt die innere Spaltung wider und verdeutlicht die diplomatische Brisanz des Vorschlags.
Strategische Rolle der Ukraine
Durch das Modell könnte die Ukraine zu einem bedeutenden Akteur zwischen West und Ost werden. Sie hätte die Möglichkeit, Transitgebühren zu erheben und damit ihre Finanzstabilität zu stärken. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass die Einnahmen Moskau indirekt entlasten, selbst wenn das Geld nicht unmittelbar in den Krieg fließt.
Risiken und Gegenargumente
- Die Transitgebühr könnte Moskau finanziell entschädigen: “Die Ukraine kann über Transit ihre eigene Finanzstabilität steigern, was Moskau finanziell entlastet, auch wenn Geld nicht direkt dem Krieg zugutekommt.” (FAQ)
- Eine Wiederaufnahme der Russland-Transitbeziehung stärkt Moskau als strategischen Player und könnte langfristig geopolitische Zugeständnisse begünstigen.
- Der Vorschlag könnte die EU-Energiepolitik weiter unter US-Einfluss stellen und Entscheidungsautonomie schwächen.
Schnellüberblick:
Warum ist die Transitgebühr der Ukraine relevant?
Die Ukraine kann über Transit ihre eigene Finanzstabilität steigern, was Moskau finanziell entlastet, auch wenn Geld nicht direkt dem Krieg zugutekommt.
Könnte der US-Vorschlag zu einer Entspannung führen?
Theoretisch ja, könnte jedoch den Krieg langfristig verlängern, da Moskau erneut Einfluss gewinnt. Europäische Diplomaten warnen davor.
Wie hoch sind die Transitgebühren der Ukraine?
Sie lagen vor Ablauf des Vertrags bei 103,09 Dollar pro 1.000 Kubikmeter Gas (Stand November 2024).




