Am 29. Oktober 2026 wurde Hendrikje Klein (Die Linke) mit 98 von 149 abgegebenen Stimmen zur Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses gewählt. Die Wahl markiert ein parlamentarisches Novum: Sie ist die erste Linken-Politikerin, die an der Spitze des Berliner Landesparlaments sitzt, und zugleich die erste gebürtige Ostdeutsche in diesem Amt. Gleichzeitig ist sie die dritte Frau, die das Präsidentenamt nach Hanna-Renate Laurien (CDU, 1991-1995) und Cornelia Seibeld (CDU, 2023-2026) innehat.
Historische Einordnung des Amtsantritts
Die Wahl von Hendrikje Klein ist historisch bedeutsam – nicht nur für Berlin, sondern auch bundesweit. Sie ist nach Birgit Keller (Thüringen, 2019) die zweite Linken-Politikerin, die ein Landesparlament leitet. In Berlin gab es bislang drei Präsidentinnen (Laurien, Seibeld, Klein), wobei beide Vorgängerinnen der CDU angehörten. Durch ihre Herkunft aus Lichtenberg, einem Bezirk im ehemaligen Ost-Berlin, bricht Klein mit der bisherigen konservativen Tradition.
- Hanna-Renate Laurien (CDU) – 1991-1995
- Cornelia Seibeld (CDU) – 2023-2026
- Hendrikje Klein (Die Linke) – seit 2026
Bundesweit ist die Präsidentschaft einer Linken-Fraktion bislang nur in Thüringen (Birgit Keller, 2019) vertreten. Damit stellt Klein einen seltenen Fall einer linken Parlamentsführung in Deutschland dar.
Sitzverteilung im neu gewählten Berliner Abgeordnetenhaus
Die aktuelle Legislaturperiode umfasst 153 Abgeordnete – sechs Sitze weniger als die Vorgängerschaft. Die Verteilung nach Fraktionen ist wie folgt:
- Die Linke: 45 Sitze (stärkste Fraktion)
- CDU: 33 Sitze
- AfD: 29 Sitze
- Grüne: 25 Sitze
- SPD: 21 Sitze
Die Linke erreichte bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 25,7 % der Stimmen, womit sie die stärkste Kraft wurde und traditionell das Vorschlagsrecht für die Parlamentspräsidentin innehat.
Wahl der Parlamentspräsidentin: Ablauf und Ergebnis
Bei der konstituierenden Sitzung am Donnerstag wurde die Wahl geheim durchgeführt. “Gegenkandidaten gab es keine.” Die Linke nutzte ihr traditionelles Vorschlagsrecht und stellte Hendrikje Klein als Kandidatin.
Die Abstimmung ergab 98 Ja-Stimmen, 42 Gegenstimmen und neun Enthaltungen bei insgesamt 149 anwesenden Abgeordneten. Ohne Gegenkandidaten erhielt Klein damit nicht nur die rechnerische Mehrheit der rot-grün-roten Blockade (91 Sitze), sondern zog zusätzlich Stimmen aus anderen Fraktionen, wahrscheinlich von CDU- oder AfD-Mitgliedern.
Nach der Wahl betonte Klein: “Wir wollen die Debattenkultur in der Legislatur weiterentwickeln, Diskriminierung entschieden entgegenwirken und das Parlament stärker in den Alltag der Bevölkerung integrieren.” (dpa, 2026)
Die Amtszeit der Präsidentin erstreckt sich über die reguläre fünf-jährige Legislaturperiode.
Bedeutung für die Koalitionsplanung und Sondierungsgespräche
Der Wahlsieg der Linken leitet die Phase der Koalitionsverhandlungen ein. Nach Abschluss der Sondierungsgespräche am 17. Oktober 2026 zwischen den Linken, den Grünen und der SPD wird im November mit den eigentlichen Koalitionsverhandlungen begonnen. Der Parteitag der Linken muss am darauffolgenden Samstag offiziell die Aufnahme der Verhandlungen billigen.
- Teilnehmerzahl der Sondierungsgespräche: 21 Delegierte (Linke, Grüne, SPD)
- Geplanter Verhandlungsbeginn: Dezember 2026 (nach Parteitagsgenehmigung)
Die Rot-Grün-Rote Blockade verfügt über die notwendige Sitzzahl für eine Regierungsmehrheit, doch interne Differenzen zu Themen wie Wohnungs- und Klimapolitik könnten die Stabilität der Regierung gefährden.
Risiken und Herausforderungen für die Regierungsbildung
Obwohl die Drei-Fraktionen zusammen die Mehrheit besitzen, gibt es zwei wesentliche Risikofaktoren:
- Knappe Koalitionsgrundlage und interne Differenzen: Divergenzen in der Wohnungs- und Klimapolitik könnten die Verhandlungsposition schwächen.
- Neutralitätserwartungen an die Parlamentspräsidentin: Als Präsidentin muss Klein überparteilich agieren, doch ihre enge Verknüpfung zur Linken könnte bei Konflikten im Plenum zu Spannungen führen.
Schnellüberblick:
Welchen Hintergrund hat Hendrikje Klein?
Die 1979 geborene Politikerin ist diplomierte Verwaltungswirtin, war von 2001 bis 2016 in der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg aktiv und seit 2016 Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses. Zuletzt war sie Parlamentarische Geschäftsführerin der Linken-Fraktion.
Warum bekam Klein mehr Stimmen, als die rot-grün-rote Blockade im Parlament umfassen?
Klein erhielt 98 Stimmen, obwohl die rot-grün-rote Blockade lediglich 91 Sitze umfasst. Dies deutet darauf hin, dass sie auch Stimmen von Abgeordnetenen anderer Fraktionen – vermutlich aus CDU oder AfD – auf sich vereinigen konnte.
Kann es zu Verzögerungen bei der Regierungsbildung kommen?
Ja, der Parteitag der Linken muss am Samstag die Aufnahme der Koalitionsverhandlungen offiziell beschließen. Bei einer Ablehnung könnte es zu Verzögerungen oder zu alternativen Regierungszusammenstellungen kommen.






