Start / Politik Nachrichten / Historischer Einbruch der hessischen CDU im hr-Hessentrend 2026 – AfD rückt auf Nähe

Historischer Einbruch der hessischen CDU im hr-Hessentrend 2026 – AfD rückt auf Nähe

Ein offener, leerer Metallwahlurne steht auf Marmorboden mit verstreuten roten und blauen Wahlzetteln und einem zerbrochenen

Der hr-Hessentrend vom Oktober 2026 dokumentiert einen beispiellosen Wendepunkt in der hessischen Politik: Die CDU verliert sieben Prozentpunkte und sinkt auf 25 Prozent – den bislang tiefsten Wert im Trend. Gleichzeitig steigt die AfD auf 23 Prozent und liegt damit nur noch zwei Punkte hinter der Union. Das Ergebnis verdeutlicht nicht nur den Verlust der parlamentarischen Mehrheit der schwarz-roten Koalition, sondern auch ein breites Misstrauen der Wählerinnen und Wähler gegenüber den etablierten Parteien.

Ergebnis der hr-Hessentrend-Umfrage 2026

Die aktuelle Befragung von Infratest dimap liefert ein klares Bild der parteipolitischen Landschaft in Hessen:

  • CDU: 25 % (-7 Punkte)
  • AfD: 23 % (+3 Punkte)
  • Grüne: 16 % (+2 Punkte)
  • SPD: 15 % (-1 Punkt)
  • Linke: 7 % (+1 Punkt)
  • FDP: 4 % (+1 Punkt, bleibt unter der Fünf-Prozent-Hürde)

“Die CDU erreicht im ‘Hessentrend’ mit 25 Prozent ihren bislang niedrigsten Wert”, heißt es in der Berichterstattung des Hessischen Rundfunks. Die AfD hingegen legt um drei Punkte zu und ist damit nur noch zwei Punkte von der Union entfernt.

Unzufriedenheit mit der Landesregierung

Parallel zu den Verlusten der Regierungsparteien wächst die Unzufriedenheit mit deren Arbeit: 54 % der Befragten sind mit der hessischen Landesregierung unzufrieden, während nur noch 38 % die Arbeit positiv bewerten – ein Rückgang um neun Punkte gegenüber Februar 2026.

Ein Drittel der Befragten (33 %) traut keiner Partei mehr die Lösung der drängenden Probleme zu. Dieser Anteil ist im Vergleich zur Vorperiode um acht Punkte gestiegen.

Sachpolitische Prioritäten: Bildung vor Zuwanderung

Die Umfrage zeigt, dass die Unzufriedenheit nicht primär durch migrationspolitische Themen getrieben wird. Das wichtigste Problemfeld für die Bürger ist laut Infratest dimap die Schul- und Hochschulpolitik (Bildung). Als zweites Thema rangieren Zuwanderung und Verkehr, während das Thema Wohnen ebenfalls stark präsent ist:

  • Wichtigstes Problemfeld: Schul- und Hochschulpolitik / Bildung (2026)
  • Weitere Top-Themen: Zuwanderung, Verkehr
  • 62 % befürworten eine Verschärfung der Mietpreisbremse

Der Absturz der Regierungsparteien vollzieht sich vor dem Hintergrund konkreter landespolitischer Missstände. Laut Erhebung sehen die Bürgerinnen und Bürger das dringendste Handlungsfeld nicht in der bundesweit debattierten Migration, sondern in der hessischen Schul- und Hochschulpolitik. Zuwanderung verlor zum zweiten Mal in Folge an relativer Bedeutung, während der Druck im Bildungssektor und auf dem Wohnungsmarkt zunimmt. So sprechen sich 62 % der Befragten für eine Verschärfung der Mietpreisbremse aus.

Parlamentarische Machtoptionen und Koalitionsarithmetik

Durch das Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde (4 %) und den Wiedereinzug der Linken (7 %) entstünde im hessischen Landtag ein Fünf-Parteien-Parlament. Rechnerisch gäbe es neben einem Dreierbündnis aus CDU, Grünen und SPD (56 % der Stimmen) nur eine einzige Zweieroption: eine Koalition aus CDU und AfD (48 %).

  • Rechnerische Mehrheit Schwarz-Rot-Grün: 56 % (CDU 25 % + Grüne 16 % + SPD 15 %)
  • Rechnerische Mehrheit Schwarz-Blau (CDU + AfD): 48 % (CDU 25 % + AfD 23 %)

Eine solche Zusammenarbeit zwischen CDU und AfD widerspricht jedoch den offiziellen Positionen der Union. Ministerpräsident Boris Rhein hat bislang jede Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen, signalisiert jedoch gleichzeitig eine mögliche Abkehr von einer strikten Brandmauer-Politik.

Methodischer Steckbrief der Erhebung

Die Umfrage stützt sich auf eine repräsentative Stichprobe von 1 185 Wahlberechtigten, die im Mixed-Mode-Verfahren (Telefon und Online) befragt wurden. Der Erhebungszeitraum lag vom 19. bis zum 22. Oktober 2026 und wurde von Infratest dimap im Auftrag des Hessischen Rundfunks durchgeführt.

  • Stichprobenumfang: 1 185 Befragte (695 telefonisch, 490 online)
  • Erhebungszeitraum: 19.-22. Oktober 2026
  • Statistische Fehlertoleranz: ca. 2 % bei 10 % Zustimmungswert, bis zu 3 % bei 50 %

Die statistische Schwankungsbreite von bis zu drei Prozentpunkten ist besonders relevant, weil der Abstand zwischen CDU (25 %) und AfD (23 %) innerhalb dieser Bandbreite liegt.

Schnellüberblick:

Welche Koalitionen wären laut dem hr-Hessentrend vom Oktober 2026 rechnerisch möglich?

Da die schwarz-rote Koalition mit 40 % ihre Mehrheit verliert, käme als stabiles Dreierbündnis eine sogenannte ‘Kenia-Koalition’ aus CDU, Grünen und SPD auf 56 %. Als einzige mögliche Zweierkoalition kämen CDU und AfD auf zusammen 48 %, was bei Ausscheiden der FDP und Freien Wähler an der Fünf-Prozent-Hürde eine absolute Mandatsmehrheit ergeben würde. Eine offizielle Zusammenarbeit der CDU mit der AfD wird jedoch von der Partei ausgeschlossen.

Welche Sachthemen belasten die Stimmung gegenüber der Landesregierung am stärksten?

Laut Umfrage steht die Schul- und Hochschulpolitik ganz oben auf der Prioritätenliste der Bürger, gefolgt von Verkehr und Zuwanderung. Zugleich fordern 62 % der Hessen eine Verschärfung der Mietpreisbremse.

Wie stark ist das Misstrauen gegenüber den Parteien?

33 % der Befragten trauen keiner Partei mehr die Lösung der drängenden Probleme zu. 54 % sind mit der Arbeit der Landesregierung unzufrieden.

Wie wird die Zusammenarbeit mit der AfD von den Wählern bewertet?

Eine grundsätzliche Ablehnung jeder Zusammenarbeit mit der AfD findet in Hessen keine Mehrheit. Ein gutes Drittel befürwortet Entscheidungen je nach Thema und Einzelfall, ein weiteres Viertel unterstützt eine generelle Zusammenarbeit, während ein weiteres Drittel konsequent ablehnt.

Wie hoch ist die Ablehnung eines AfD-Verbots unter CDU-Wählern?

59 % der CDU-Anhänger sprechen sich gegen ein AfD-Verbotsverfahren aus.

Quellen