Im Oktober 2026 haben Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre zum ersten Mal seit Juli 2025 direkt mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. Der Anruf, der am 27. Oktober 2026 stattfand, war Teil einer präzise abgestimmten diplomatischen Kette, die von Washington über Oslo bis nach Kiew und Moskau reichte. Ziel war es, Europa – und insbesondere die nordischen Anrainerstaaten – in die von den USA initiierten Friedensgespräche in Abu Dhabi einzubinden.
Verhandlungsarchitektur und die ‘Oslo-St. Petersburg-Achse’
Am 20. Oktober 2026 trafen sich in Oslo hochrangige Vertreter aus Finnland, Norwegen, der Ukraine und den USA. Neben Präsident Wolodymyr Selenskyj und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff nahmen auch Trumps Berater Jared Kushner per Videoschalte teil. Vertreter wichtiger europäischer Partner – darunter Deutschland, die EU und die NATO – waren ebenfalls anwesend (Helsinki Times 2026).
- Finnland: Präsident Alexander Stubb
- Norwegen: Ministerpräsident Jonas Gahr Støre
- Ukraine: Präsident Wolodymyr Selenskyj
- USA: Sondergesandter Steve Witkoff
- Weitere Beteiligte: Jared Kushner (per Video), Vertreter aus Deutschland, EU und NATO
Das Treffen diente als Vorbereitung für das Telefonat zwischen Stubb, Støre und Putin. Direkt im Anschluss reiste Witkoff nach Sankt Petersburg, wo er ein drei-stündiges Gespräch mit dem Kremlchef führte. In diesem Gespräch übergab er Arbeitsdokumente, die zuvor in Oslo erarbeitet worden waren, um die Wiederaufnahme des sogenannten Abu-Dhabi-Formats zu ermöglichen (Uzbekistan Observer 2026).
Die “Oslo-St. Petersburg-Achse” verdeutlicht, dass das Telefonat kein isolierter Impuls, sondern das Endstück einer eng getakteten Pendelmission zwischen Washington, Oslo, Kiew und Moskau war.
Historischer Kontext europäischer Direktkontakte zum Kreml
Der Anruf am 27. Oktober 2026 war der erste direkte Gesprächskontakt eines europäischen Verbündeten der Ukraine mit Putin seit dem Telefonat des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Juli 2025. Beide nordischen Politiker betonten bewusst ihre Rolle als Anrainerstaaten mit Sicherheitsinteressen in der Ostsee und im Hohen Norden. Stubb erklärte:
“Die Diskussion war offen und inhaltlich fundiert. Der Ausgang dieses Krieges wird direkte Auswirkungen auf unsere Sicherheit und die Sicherheit Europas insgesamt haben. Um den Krieg zu beenden, sind direkte Gespräche erforderlich.”
Støre ergänzte:
“Das Leid und die Zerstörung werden sich auf ganze Generationen auswirken. In dem Telefonat haben wir betont, wie wichtig eine Deeskalation ist.”
Die lange gemeinsame Landesgrenze von 1 538 km zwischen Finnland und Russland sowie 198 km zwischen Norwegen und Russland unterstreicht die besondere Betroffenheit der nordischen Staaten in der Ostseeregion. Das Telefonat markierte damit einen klaren Bruch mit einer möglichen europäischen Isolation, die entstehen könnte, wenn Verhandlungen ausschließlich zwischen Washington und Moskau geführt würden.
Hintergrund des trilateralen Abu-Dhabi-Formats
Das für November 2026 geplante Treffen in Abu Dhabi knüpft an ein trilaterales Arbeitsformat an, das Anfang 2026 zwischen den USA, Russland und der Ukraine etabliert wurde. Während die ersten Runden primär technische Fragen behandelten, soll die aktuelle Phase eine politische Rahmensetzung erreichen – insbesondere die Klärung von Territorialfragen, die vom Kreml gefordert werden.
- Erste Etablierung des Formats: Januar/Februar 2026
- Vermittlung durch die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA
- Geplantes Datum der zweiten Runde: November 2026 (genauer Termin noch offen)
Die Wiederaufnahme des Formats wurde durch das Oslo-Treffen und die anschließenden Gespräche in Sankt Petersburg aktiv vorangetrieben.
Risiken und Gegenreaktionen
Obwohl Finnland und Norwegen betonten, nicht für die gesamte Europäische Union zu sprechen, besteht das Risiko bilateraler Vorstöße, die zu Spannungen mit anderen europäischen Partnern führen könnten. Kritiker, insbesondere Polen und die baltischen Staaten, äußern Skepsis gegenüber direkten Verhandlungen mit dem Kreml.
Gleichzeitig zeigte der Kreml im Read-out zum Telefonat ein starkes Beharren auf seine Maximalforderungen und kritisierte die NATO, was Zweifel an einer Bereitschaft zu substanziellen Konzessionen aufwirft.
Schnellüberblick:
Warum traten ausgerechnet Finnland und Norwegen als direkte Vermittler auf?
Beide Staaten teilen zusammen über 1 500 Kilometer Grenze mit Russland und haben sicherheitspolitische Kerninteressen in der Ostsee sowie im Hohen Norden. Diese geografische Lage macht sie zu natürlichen Brückenbündeln im Vorfeld der US-Initiativen.
Wurden die Inhalte des Telefonats mit der Ukraine abgestimmt?
Ja. Nach Angaben der finnischen Präsidentenschaft wurde der Anruf in enger Konsultation mit Kiew geplant. Selenskyjs Kommunikationsberater Dmytro Lytvyn bestätigte ein unmittelbares Nachbereitungsgespräch nach dem Telefonat.
Wie lange dauerte das Gespräch zwischen Steve Witkoff und Putin in Sankt Petersburg?
Das Gespräch dauerte drei Stunden und diente der Übergabe von Arbeitsdokumenten zur Wiederaufnahme des Abu-Dhabi-Formats.
Wann war der letzte bestätigte Telefonkontakt eines europäischen Verbündeten mit Putin vor diesem Anruf?
Der letzte bestätigte Telefonkontakt war im Juli 2025, als französischer Präsident Emmanuel Macron mit Putin sprach.






