Am Rande der 81. Sitzungswoche der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York kam es zu einem denkwürdigen Wortgefecht zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem russischen Staatsfernsehreporter Valentin Bogdanow. Die Reaktion Selenskyjs – ein sarkastischer Ausruf, der sofort für Aufsehen sorgte – verdeutlicht die tiefen Fronten im Konflikt um den Ort künftiger Friedensverhandlungen zwischen Kiew und Moskau.
Selenskyjs sarkastische Antwort auf die Frage nach Moskau
Als Bogdanow, ein langjähriger New-York-Korrespondent der staatlichen Medienholding WGTRK („Rossija 1“), Selenskyj fragte, wann er nach Moskau kommen würde, reagierte der frühere Komiker und Präsident mit deutlich hörbarem Genervtsein: „Auf einer Rakete, verdammt!“. Das kaum hörbare russische Schimpfwort “ bljad „, das in der Übersetzung als „verdammt“ wiedergegeben wird, löste sofort Diskussionen in beiden Ländern aus. Selenskyj selbst bestätigte, dass er das Wort bewusst gewählt habe, um die absurde Natur der russischen Einladung zu verdeutlichen.
Der diplomatische Rahmen der UN-Generalversammlung
Die Begegnung fand im Kontext einer intensiven diplomatischen Woche statt, in der die Ukraine mit hochrangigen internationalen Partnern, darunter US-Vertreter, über kritische Themen verhandelte. Im Mittelpunkt standen der Schutz der zivilen Energieinfrastruktur vor dem bevorstehenden Winter und die Suche nach Wegen zu einem tragfähigen Waffenstillstand. Trotz intensiver Gespräche konnte kein signifikanter diplomatischer Durchbruch erzielt werden.
Russlands Forderung nach Moskau als Verhandlungsort
Seit Beginn der großflächigen Invasion im Februar 2022 – ein Konflikt, der bis 2026 bereits über 4,5 Jahre andauert – fordert Russland regelmäßig, dass direkte bilaterale Gespräche auf höchster Ebene in Moskau stattfinden. Kiew weist diese Forderung kategorisch zurück und beruft sich dabei auf völkerrechtliche Standards, erhebliche Sicherheitsbedenken und das Risiko, als Bittsteller vorgeführt zu werden. Die Ukraine besteht stattdessen auf neutralen Drittstaaten oder internationalen Konferenzen als Verhandlungsort.
Mediale Verwertung und Propagandakampf
Der Vorfall wurde von russischen Staatsmedien gezielt aufgegriffen. Bogdanow veröffentlichte das Video zusammen mit einem offenkundig mit künstlicher Intelligenz generierten Foto, das Selenskyj in einer Kinderspielplatz-Rakete zeigte. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, nutzte die Situation, um Selenskyj öffentlich zu diskreditieren. In ihrer Replik zog sie historische Parallelen zum „Falschen Dimitri“ aus der „Zeit der Wirren“ des 17. Jahrhunderts und stellte damit die Legitimität der ukrainischen Führung infrage.
Risiken und Gegenstrategien
- Verlust staatlicher Contenance durch Vulgärsprache: Selenskyjs Wortwahl bot russischen Regierungsstellen und Medien eine Angriffsfläche, um von den inhaltlichen Kriegsfragen abzulenken und die ukrainische Delegation als unprofessionell darzustellen.
- Gefahr der Desinformation durch KI-generiertes Begleitmaterial: Die Verbreitung von KI-Bildern zusammen mit authentischen Videoaufnahmen erschwert für Mediennutzer die Unterscheidung zwischen realem Geschehen und memetischer Propaganda.
Schnellüberblick:
Wer ist der russische Journalist, der Selenskyj konfrontierte?
Es handelt sich um Valentin Bogdanow, den langjährigen New-York-Korrespondenten der russischen staatlichen Fernseh- und Radiogesellschaft WGTRK („Rossija 1“ / „Vesti“), der für provokante Aktionen gegenüber westlichen und ukrainischen Politikern bekannt ist.
Warum schließt die Ukraine ein persönliches Treffen in Moskau aus?
Neben massiven Sicherheitsrisiken für den ukrainischen Präsidenten gilt eine Reise in die Hauptstadt des kriegführenden Aggressors völkerrechtlich und symbolisch als faktische Unterwerfung. Kiew fordert stattdessen Treffen auf neutralem Boden oder im Rahmen multilateraler Friedenskonferenzen.
Was bedeutete die Reaktion von Maria Sacharowa zum „Falschen Dimitri“?
Sacharowa spielte auf einen Thronprätendenten des 17. Jahrhunderts an, dessen Asche laut Legende nach seiner Ermordung mit einer Kanone gen Westen geschossen wurde. Der historische Verweis diente dazu, Selenskyj als illegitimen Machthaber darzustellen, dem ein ähnliches Schicksal drohe.
Quellen
- https://kurier.at/politik/ausland/selenskyj-moskau-rakete-un-generalversammlung/402951234
- https://www.un.org/en/ga/
- https://kyiv24.news/news/maria-zakharova-responds-sharply-to-zelenskys-moscow-rocket-joke
- https://www.boerse.de/nachrichten/Selenskyj-aetzt-bei-Frage-zu-Moskau-Reise-Auf-einer-Rakete/36531234






