Start / Politik Nachrichten / Gewaltsamer Übergriff auf Journalisten am Berliner Wittenbergplatz – Verfassungsschutz-Einstufung des VPNK und Reaktionen der Linkspartei

Gewaltsamer Übergriff auf Journalisten am Berliner Wittenbergplatz – Verfassungsschutz-Einstufung des VPNK und Reaktionen der Linkspartei

Am Mittwoch ereignete sich bei einer anti-israelischen Demonstration am Wittenbergplatz in Berlin ein körperlicher Angriff auf den „Bild“-Reporter Iman Sefati. Der Vorfall ist Teil einer wachsenden Welle von Gewalt gegen Medienschaffende im Kontext von Nahost-Protesten und wirft ein Schlaglicht auf die Verflechtungen zwischen propalästinensischen Akteuren, dem Berliner Verfassungsschutz und der Linkspartei.

Gewaltsamer Übergriff – Was geschah?

Während der Demonstration stellte Sefati den bekannten Aktivisten Ibrahim Ibrahim, ein Mitglied des Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees (VPNK), zur Rede. „Herr Ibrahim, grüße Sie, hallo, darf ich mal was fragen?“, berichtet der Journalist. Ibrahim reagierte gereizt mit den Worten: „Nein! Hau ab! Hau ab!“ und wandte sich ab. Kurz darauf drängte sich eine Gruppe um die beiden, ein unbekannter Mann stieß Sefati von hinten in den Rücken. Die Polizei intervenierte sofort und nahm den Tatverdächtigen fest.

Verfassungsschutz-Einstufung des Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees (VPNK)

Der Berliner Verfassungsschutz stuft das nach dem 7. Oktober 2023 gegründete VPNK als Dachstruktur von Hamas- und PFLP-Anhänger*innen ein. Die Behörde sieht das Komitee als wesentlichen Organisator und Mobilisierer propalästinensischer Proteste in Berlin. Laut Angaben der Berliner Senatsinnenverwaltung und des Landesamtes für Verfassungsschutz (2025) mobilisieren Anhänger der islamistischen Hamas – deren Personenpotenzial in Berlin auf rund 200 geschätzt wird – gemeinsam mit Unterstützern der marxistisch-leninistischen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP, rund 30 Personen) für Straßenproteste.

Reaktionen und Distanzierungen innerhalb der Partei Die Linke

Der Auftritt von Ibrahim Ibrahim auf der Wahlparty der Neuköllner Linkspartei löste bundespolitische Kritik aus. Der Bezirksverband Neukölln sowie Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak betonten, die Veranstaltung sei öffentlich zugänglich gewesen und distanzierten sich ausdrücklich von terror- und gewaltverherrlichenden Aussagen. „Wir haben gewartet, bis die Veranstaltung zu Ende geht, bis Frauen und Kinder nach Hause gehen“, erklärte Sefati später im Gespräch mit WELT TV und kritisierte das Sicherheitsgefühl von Journalisten, Passanten und Kritikern.

Gefährdung von Journalisten bei Berliner Protesten

Statistiken von Reporter ohne Grenzen (RSF) und dem Bundeskriminalamt (BKA) belegen, dass Berlin bundesweit der Schwerpunkt für Angriffe auf Medienschaffende ist. Im Jahr 2024 wurden 38 körperliche Angriffe auf Journalisten im Kontext von Nahost-Demonstrationen registriert. Insgesamt entfielen im Erfassungszeitraum 2024/2025 fast die Hälfte aller politisch motivierten Straftaten gegen Medienvertreter auf Berlin (51 von 89 Fälle). Das BKA verzeichnete 406 Fälle von Straftaten gegen Medienvertreter in Berlin bis 2025.

Empirische Lage: Personenpotenzial von Hamas und PFLP in Berlin

  • Hamas-Personenpotenzial: ca. 200 (2024/2025, Berliner Senatsinnenverwaltung/Verfassungsschutz)
  • PFLP-Personenpotenzial: ca. 30 (2024/2025, Berliner Senatsinnenverwaltung/Verfassungsschutz)
  • Gesamtes potenzielles Netzwerk: ca. 230 Personen (2025, Quelle S1)

Behördliche Unterlagen zeichnen ein deutliches Bild der Gruppierung: Nach Angaben der Berliner Senatsinnenverwaltung und des Landesamtes für Verfassungsschutz (2025) fungiert das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee (VPNK) als informelles Dachbündnis. In ihm mobilisieren Anhänger der islamistischen Hamas – deren Personenpotenzial in Berlin auf rund 200 geschätzt wird – gemeinsam mit Unterstützern der säkularen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP, rund 30 Personen) für Straßenproteste. Auf Kritik an Ibrahims Erscheinen auf der Neuköllner Wahlparty reagierten Linken-Vertreter mit Verweisen auf den offenen Charakter der Feier: Sowohl der Bezirksvorstand als auch der anwesende Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak betonten, dass Hunderte Gäste teilgenommen hätten, und distanzierten sich zugleich nachdrücklich von extremistischen und gewaltverherrlichenden Aussagen (dpa 2026).

Schnellüberblick:

Was ist das ‚Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee‘ (VPNK)?

Laut Berliner Verfassungsschutz handelt es sich um eine Dachstruktur, die nach dem 7. Oktober 2023 gegründet wurde, um Aktivitäten von Sympathisanten der islamistischen Hamas und der säkularen Terrororganisation PFLP für gemeinsame Mobilisierungen zu koordinieren.

Wie reagierte die Linkspartei auf die Vorwürfe bezüglich der Wahlparty?

Der Bezirksverband Neukölln erklärte, die Wahlparty sei öffentlich zugänglich gewesen. Abgeordnete wie Ferat Koçak distanzierten sich explizit von terror- sowie gewaltverherrlichenden Positionen und wiesen eine inhaltliche Zusammenarbeit zurück.

Wie häufig werden Journalisten auf Demonstrationen in Berlin attackiert?

Berlin gilt laut Erhebungen von Reporter ohne Grenzen und des Bundeskriminalamts als Bundesbrennpunkt. Allein 2024 registrierte Reporter ohne Grenzen 38 körperliche Übergriffe auf Medienschaffende im Kontext von Berliner Nahost-Demonstrationen.

Quellen