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Erste direkte Aufzeichnung einer tektonischen Spaltbildung im Indischen Ozean

Ein internationales Forscherteam hat erstmals eine neue tektonische Spaltbildung im Ozeanboden direkt aufgezeichnet. Das Ereignis ereignete sich am Südostindischen Rückgrat nahe der Insel Amsterdam und liefert wertvolle Einblicke in Plattenbewegungen, magmainduziertes Absinken und aseismische Verschiebungen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Nature veröffentlicht und könnten zukünftige Erdbebenvorhersagen deutlich verbessern.

Hintergrund und Bedeutung der Aufnahme

Die direkte Beobachtung einer Spaltbildung im Meeresboden ist ein Meilenstein für die Geowissenschaften. Sie liefert:

  • konkrete Daten über das Zusammenspiel von Magmaentleerung und Bodensenkung,
  • ein besseres Verständnis der Mechanismen, die zu schwachen, aber weitreichenden seismischen Ereignissen führen,
  • Grundlagen für die Verbesserung von Erdbebenprognosen in Rift-Zonen.

Wie im whyitmatters -Abschnitt betont wird, können diese Erkenntnisse zukünftige Erdbeben besser vorhersagbar machen.

Beobachtetes Ereignis: Schnelle Absenkung und Spaltbildung

Am Abend des 26. April 2024 registrierten Messgeräte entlang des Südostindischen Rückens einen Schwarm seismischer Aktivität. Gleichzeitig sank der Talboden innerhalb weniger Stunden um mehr als einen Meter. Nach sechs Tagen betrug die Gesamtabsenkung 4,2 Meter, wobei über drei Meter bereits in den ersten 16 Stunden auftraten. Beide Seiten des Rifttals drifteten jeweils um mehr als einen Meter auseinander.

Die Forscher schließen daraus, dass das Absinken auf die Entleerung eines Magmareservoirs in etwa fünf Kilometern Tiefe zurückzuführen ist. Das Magma sei durch dyke-artige Gänge aus der Kruste entwichen und habe das Tal nach unten gezogen.

Messmethoden und technische Ausstattung

  • Unterwassermikrofone zur Aufzeichnung seismischer Signale,
  • akustische Entfernungsmesser zur Messung von Distanzänderungen,
  • Drucksensoren in rund zwei Kilometern Tiefe zur Erfassung von Bodensenkungen.

Aseismische Verschiebungen und ihre Rolle

Obwohl ein intensiver seismischer Schwarm beobachtet wurde, fielen die Erdbeben relativ mild aus. Mikrofonaufnahmen zeigten, dass die Gesteinsplatten „weitgehend lautlos aneinander vorbeiglitten“. Diese lautlosen Bewegungen werden als aseismische Verschiebungen bezeichnet. Schätzungen aus dem Jahr 2020 besagen, dass etwa 70 % der Plattenbewegungen in aktiven Rift-Zonen aseismisch sind.

„Die Geowissenschaften sprechen von sogenannten aseismischen Verschiebungen. Diese könnten erklären, weshalb bei Bewegungen des Mittelozeanischen Rückens deutlich weniger seismische Energie gemessen wird, als die Verschiebungsraten der Platten vermuten ließen“, heißt es in den Studien.

Geologische Konsequenzen: Lavaausfluss und Gesteinsschichten

In den 16 Tagen nach dem Beginn der Messungen flossen zwischen 148 und 160 Millionen Kubikmeter Lava auf den Meeresboden. Die neu gebildeten Gesteinsschichten erreichten eine Dicke von bis zu 90 Metern. Diese Ausmaße entsprechen einer durchschnittlichen Bewegungsrate, die normalerweise 38 Jahre in diesem Tal benötigen würde.

  • Lavaausfluss: 148-160 Millionen m³ (2024)
  • Durchschnittliche Bewegungsrate: 38 Jahre (2024)
  • Absenkung: 4,2 Meter innerhalb von 16 Tagen (2024)

Langfristige Implikationen für Erdbebenvorhersage

Die Autoren der Studie bezeichnen die schnelle Aufzeichnung als einen „Glücksfall“. Sie betonen, dass das Ereignis neue Erkenntnisse über die komplexen Plattenbewegungen liefert und damit ein wichtiges Fundament für künftige Erdbebenforschung bildet.

„Für die Autoren der Studie war die Aufzeichnung der Verschiebung kaum zwei Monate nach der aufwendigen Platzierung der Aufnahmegeräte ein ‚Glücksfall‘, der weitere Erkenntnisse für das Verständnis der komplexen Plattenbewegungen und künftige Erdbeben bringen wird“, heißt es im Bericht.

Schnellüberblick:

Was sind aseismische Verschiebungen?

Aseismische Verschiebungen sind Bewegungen zwischen tektonischen Platten, die ohne signifikante Erdbebenenergie ablaufen und die Gesteinsplatten lautlos verschieben.

Wie groß war die gemessene Absenkung des Meeresbodens?

Der Meeresboden senkte sich innerhalb von 16 Stunden um mehr als drei Meter und erreichte nach sechs Tagen insgesamt 4,2 Meter.

Wie viel Lava floss während des Ereignisses?

Zwischen 148 und 160 Millionen Kubikmeter Lava flossen auf den Meeresboden, wobei die neuen Gesteinsschichten bis zu 90 Meter dick wurden.

Quellen