Das neu zugelassene Schmerzmedikament Exilby, das auf medizinischem Cannabis basiert, verspricht eine wichtige Alternative zu herkömmlichen Opioiden. In einer Zeit, in der jährlich rund 20 Millionen Opioid-Rezepte in Deutschland ausgestellt werden und weltweit über eine Milliarde Menschen an chronischen Schmerzen leiden, könnte Exilby die Schmerztherapie nachhaltig verändern.
Exilby – ein Durchbruch in der Schmerzmedizin
Vertanical, ein Münchner Biopharma-Unternehmen mit etwa 200 Mitarbeitenden, hat von der Arzneimittelzulassungsbehörde die Genehmigung für Exilby erhalten. Das Medikament richtet sich speziell an Patienten mit neuropathischen Schmerzen – einer besonders schwierigen Schmerzform, bei der Nerven betroffen sind.
„Bis heute beruht die medikamentöse Behandlung chronischer Schmerzen in vielen Fällen auf Therapien, die entweder nur begrenzt wirksam sind oder mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen“, erklärt Pascal Rohé im Namen des Unternehmens.
In zwei Phase-3-Studien zeigte Exilby nicht nur eine signifikante Schmerzreduktion, sondern auch eine Wirkung, die mehr als ein Jahr anhält und in Teilen besser ist als die von Opioiden. Gleichzeitig wurden deutlich weniger Nebenwirkungen beobachtet, wodurch das Risiko einer Abhängigkeit reduziert wird.
Wissenschaftliche Evidenz: Zahlen und Fakten
Die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis wird durch aktuelle Studien gestützt. Im Jahr 2022 berichteten 70 % der befragten Patienten von einer signifikanten Schmerzlinderung.
- Studienergebnis 2022: 70 % der Patienten erlebten deutliche Schmerzlinderung.
- Phase-3-Studien zu Exilby: signifikante und mehr als ein Jahr anhaltende Schmerzreduktion bei neuropathischen Schmerzen.
- Vergleich zu Opioiden: teilweise bessere Wirksamkeit und deutlich weniger Nebenwirkungen.
Diese Zahlen unterstreichen die Relevanz von Exilby im Kontext einer zunehmend überlasteten Schmerztherapie.
Relevanz für die deutsche Schmerztherapie
Mit rund 20 Millionen Opioidverschreibungen pro Jahr (Quelle S1) steht Deutschland vor einer großen Herausforderung. Exilby soll ab September 2023 in Deutschland erhältlich sein, vorausgesetzt, es wird eine Einigung mit den Krankenkassen über den Preis erzielt.
„Wir haben allein in Deutschland jährlich 20 Millionen Opioidverschreibungen. Unser Ziel ist es, langfristig Opioide zu ersetzen, nicht nur in Deutschland, auch weltweit“, betont Gründer Clemens Fischer.
Durch die geringere Nebenwirkungsrate könnte Exilby nicht nur die Lebensqualität der Patienten verbessern, sondern auch das Risiko von Abhängigkeiten und Überdosierungen verringern.
Globale Perspektive und Marktpläne
Exilby ist nicht ausschließlich für den deutschen Markt gedacht. Neben Österreich sind weitere europäische Zulassungen geplant, und das Unternehmen hat bereits eine Phase-3-Studie für die USA gestartet.
- Geplante Markteinführung: September 2023 in Deutschland und Österreich.
- Weitere europäische Zulassungen in Vorbereitung.
- US-Studie bereits initiiert.
Der Gründer investierte mehrere hundert Millionen Euro aus eigenen Unternehmensgewinnen, um die Entwicklung zu beschleunigen – ein bemerkenswerter Aufwand im Vergleich zu den durchschnittlichen Kosten von etwa zwei Milliarden Dollar für die Zulassung neuer Wirkstoffe.
Risiken und offene Fragen
Obwohl die bisherigen Ergebnisse vielversprechend sind, gibt es kritische Stimmen. Die langfristigen Wirkungen von Cannabis sind noch nicht umfassend erforscht, was sowohl für Patienten als auch für Ärzte ein potenzielles Risiko darstellt.
- Langzeitwirkungen von Cannabis sind unzureichend untersucht.
- Akzeptanz bei Ärzten und Patienten könnte durch Unsicherheit über Langzeitrisiken beeinträchtigt werden.
Schnellüberblick:
Wann wird Exilby in Deutschland verfügbar sein?
Exilby wird voraussichtlich ab September 2023 in Deutschland erhältlich sein, abhängig von Preisverhandlungen mit den Krankenkassen.
Wie unterscheiden sich die Nebenwirkungen von Exilby im Vergleich zu Opioiden?
Studien zeigen, dass Exilby signifikant weniger Nebenwirkungen hat als klassische Opioide, wodurch das Risiko von Abhängigkeiten reduziert wird.






