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Aktuelle Herausforderungen in der männlichen Verhütungsforschung – Nicht-hormonale Ansätze an der RWTH Aachen

Die Suche nach einer sicheren, wirksamen und hormonfreien Verhütungsmethode für Männer rückt immer stärker in den Fokus der Reproduktionsmedizin. An der RWTH Aachen arbeitet der Biologe Marc Spehr mit einem interdisziplinären Konsortium an genau diesem Ziel. Die Forschung verspricht nicht nur neue Optionen für Paare, sondern könnte auch die gesundheitlichen Risiken hormoneller Methoden deutlich reduzieren.

Warum nicht-hormonale Verhütung für Männer wichtig ist

Hormonbasierte Verhütungsmittel für Männer haben in der Vergangenheit häufig unerwünschte Nebenwirkungen gezeigt. Studien aus den letzten zehn bis zwanzig Jahren lieferten kaum die gewünschte Akzeptanz. Ein Bericht des Deutschen Ärzteblatts nennt, dass nur 50 % der männlichen Probanden, die an hormonellen Studien teilnahmen, von einer positiven Erfahrung berichteten ( 2020 ). Diese Unzufriedenheit verdeutlicht die Notwendigkeit, alternative, hormonfreie Ansätze zu entwickeln, die mindestens so sicher wie die Pille oder ein korrekt benutztes Kondom sind und gleichzeitig reversibel wirken.

„Um Akzeptanz zu finden, braucht man eine Methode, die sehr sicher ist, möglichst keine Nebenwirkungen hat und reversibel ist“, betont Marc Spehr.

Der aktuelle Stand der Forschung an der RWTH Aachen

Marc Spehr, Professor für Chemosensorik und Leiter des Instituts Biologie II, leitet das Forschungskonsortium ContraPur. Das Projekt wird vom Bundesforschungsministerium gefördert – eine Premiere für die öffentliche Finanzierung von Verhütungsforschung in Deutschland. Das Konsortium vereint Experten aus Münster, Gießen, Bonn und weiteren Einrichtungen, um von Tiermodellen bis zu menschlichen Zellkulturen ein breites Spektrum an Know-how abzudecken.

„Wir können auf eigenen Vorarbeiten aufbauen. Wir haben gezeigt, dass es im Hoden in den Samenkanälchen eine Art Pumpe gibt, die von Muskeln angetrieben wird“, erklärt Spehr. Diese Erkenntnis bildet die Basis für den nicht-hormonellen Ansatz.

Grundlagen der Spermienproduktion

Die tägliche Produktion von etwa 150 Millionen Spermien pro gesunden Mann ( 2022 ) verdeutlicht die enorme Dimension des Prozesses. Trotz dieser Menge ist das Wissen über die genauen Mechanismen der Spermienbildung und des Transports nach wie vor rudimentär. Die Samenkanälchen im Hoden bilden ein komplexes „Spaghetti-Labyrinth“, durch das die unreifen Samenzellen kontinuierlich peristaltisch – also durch wellenartige Muskelkontraktionen – vorangetrieben werden. Dieser Transport erfolgt unabhängig von einer Ejakulation und ist entscheidend für den ständigen Nachschub.

Probleme hormoneller Studien

Hormonbasierte Versuche haben nicht nur geringe Zufriedenheitsraten erzielt, sondern auch häufig nicht den gewünschten Erfolg. Laut einer Umfrage, die mehr als 10 000 Männer in klinischen Studien erfasste, zeigte sich, dass nur die Hälfte der Teilnehmenden mit hormonellen Methoden zufrieden war. Zudem wird die Hälfte aller männlichen Unfruchtbarkeitsursachen als idiopathisch eingestuft, weil die zugrunde liegenden biologischen Prozesse noch nicht verstanden sind.

„Hormonelle Studien waren häufig nicht erfolgreich“, fasst ein Gegenpunkt aus den vorliegenden Daten zusammen und unterstreicht die Dringlichkeit, alternative Wege zu erforschen.

Promising non-hormonaler Ansatz: Muskelperistaltik in den Samenkanälchen stoppen

Der zentrale Gedanke von Spehrs Team ist, die lokalen Muskelbewegungen im Hoden gezielt zu beeinflussen. Wenn die peristaltischen Kontraktionen blockiert werden, könnte der Transport der Spermien gestoppt werden, ohne das hormonelle Gleichgewicht zu stören.

„Wir überlegen, ob und auf welche Weise es möglich sein könnte, diese lokalen Muskelbewegungen im Hoden gezielt zu stoppen“, sagt Spehr. Dabei stehen mehrere molekulare Stellschrauben im Fokus.

Mögliche molekulare Zielpunkte: ATP-Rezeptoren und Kalziumhaushalt

ATP fungiert als Energieträger und Botenstoff. In den Muskelzellen der Samenkanälchen löst ATP die Kontraktionen aus, die den Spermientransport antreiben. Das Team plant, maßgeschneiderte Moleküle zu entwickeln, die die ATP-Rezeptoren blockieren und damit den Weitertransport der Samenzellen verhindern.

„Eine unserer Überlegungen ist es, maßgeschneiderte Moleküle zu entwickeln, die die Rezeptoren für das ATP blockieren“, erläutert Spehr. Zusätzlich wird der Kalziumstoffwechsel als potenzieller Ansatzpunkt untersucht, da die ATP-Aktivierung zu einem schnellen Anstieg des intrazellulären Kalziumspiegels führt.

Statistiken und Beteiligung an Studien

  • 50 % der Männer mit Fruchtbarkeitsproblemen (2023)
  • 10 000 teilnehmende Männer in klinischen Studien (2021)
  • 50 % Zufriedenheit mit hormonellen Verhütungsmethoden (2020)
  • Durchschnittlich 150 Millionen Spermien pro Tag (2022)

Diese Zahlen verdeutlichen sowohl das Ausmaß der bestehenden Herausforderungen als auch das Potenzial, das in einer erfolgreichen nicht-hormonellen Lösung liegt.

Schnellüberblick:

Welche bestehenden Methoden zur männlichen Verhütung gibt es?

Derzeit sind Kondome die am häufigsten genutzte Methode. Hormonelle Ansätze sind noch nicht allgemein anerkannt.

Warum sind hormonelle Studien oft nicht erfolgreich?

Hormonelle Studien zeigen häufig niedrige Zufriedenheitsraten und unerwünschte Nebenwirkungen, was die Akzeptanz einschränkt.

Wie könnte ein zukünftiges nicht-hormonelles Verhütungsmittel funktionieren?

Durch das gezielte Blockieren der ATP-Rezeptoren oder die Modulation des Kalziumhaushalts in den Muskelzellen der Samenkanälchen könnte der Spermientransport gestoppt werden, ohne hormonelle Eingriffe.

Wie groß ist die Beteiligung von Männern an klinischen Studien?

Mehr als 10 000 Männer haben an klinischen Studien teilgenommen, wobei nur 50 % mit hormonellen Methoden zufrieden waren.

Quellen