US-Präsident Donald Trump stellte im Rahmen einer Medienansprache in Mar-a-Llago fest, dass die USA das iranische Atomprogramm bereits weitgehend ausgeschaltet hätten, jedoch noch ein bis zwei Anlagen in Angriff nehmen müssten – und das “in zehn Minuten”. Die von ihm benannte Zielanlage, der Berg Kolang (auch “Pickaxe Mountain” genannt), liegt in der Provinz Isfahan und gilt als eines der am stärksten geschützten unterirdischen Nuklearprojekte Irans. Dieser Artikel analysiert die geologische Härtung der Anlage, die technischen Möglichkeiten eines schnellen Militärschlags und die damit verbundenen geopolitischen Risiken.
Hintergrund und geopolitische Bedeutung
Der Name “Pickaxe Mountain” ist die englische Übersetzung des persischen “Kuh-e Kolang Gaz La”, was “Spitzhacken-Berg” bedeutet. Der Berg liegt etwa 200 km südlich von Teheran, rund 1,5-2 km südlich des bekannten Anreicherungszentrums Natans in der Provinz Isfahan. Nach den Aussagen des iranischen Obersten Führers Ayatollah Khamenei und des Außenministers Abbas Araghtschi wurde die Anlage von Teheran stets als rein zivile Infrastruktur dargestellt, während westliche Geheimdienste wiederholt von einer möglichen nuklearen Nutzung sprechen.
Trump betonte in seiner Rede: “Wir haben ihr Atomprogramm ausgeschaltet. Wir müssen uns noch um, ich würde sagen, ein oder zwei Anlagen kümmern, aber das können wir in zehn Minuten erledigen” (AFP, 2026). Diese Bemerkung hat international Besorgnis ausgelöst, weil sie einen potenziell bedeutenden militärischen Schlag gegen ein tief im Granit verankertes Ziel impliziert.
Technische Beschreibung der unterirdischen Anlage
Satellitenanalysen von CSIS und ISIS aus dem Jahr 2026 belegen, dass das Tunnelsystem von Pickaxe Mountain bis zu 100 Meter tief in massiven Granit des Karkas-Gebirges reicht. Die wichtigsten Messergebnisse:
- Geschätzte Überdeckungstiefe der Stollen: 80 – 100 Meter (2026).
- Distanz zur Hauptanlage Natans: 1,5 – 2 Kilometer (2026).
- Baubeginn der Schacht- und Aushubarbeiten: 2020.
- Ursprünglich geplante Montagekapazität: rund 6.000 fortschrittliche Zentrifugen pro Jahr (2020).
Die Tiefe und die Lage im harten Granitgemisch bilden eine natürliche Barriere gegen konventionelle Luftwaffenbomben. Selbst die schwerste verfügbare Bunkerbrecherwaffe, die US-GBU-57 MOP, stößt laut Experten an geophysikalische Grenzen, wenn sie versucht, direkt in die Kavernen vorzudringen.
Trumps Forderung und militärische Realitätsprüfung
Die Aussage, die Anlage “in zehn Minuten erledigen” zu können, wird von mehreren Militärfachleuten und Satellitenanalysten stark bezweifelt. Ein Leitzeichen aus dem Center for Strategic and International Studies (CSIS, 2026) lautet:
“Selbst schwere bunkerbrechende Waffen der US-Luftwaffe dürften die eigentlichen Kavernen kaum auf Anhieb durchdringen, sondern sich primär darauf beschränken, die vier gepanzerten Tunneleingänge zum Einsturz zu bringen.”
In der Praxis würde ein Luftangriff also höchstens die Zugänge versperren, während das tief liegende Kernmodul intakt bleiben könnte. Der Zeitrahmen von zehn Minuten entspricht somit nicht den geologischen Gegebenheiten.
Baugeschichte und vermutete nukleare Funktion
Nach der mutmaßlichen Sabotage einer oberirdischen Zentrifugen-Montagehalle in Natans im Herbst 2020 begann Teheran mit dem Ausbau des unterirdischen Komplexes. Laut dem Institute for Science and International Security (ISIS, 2026) zeigen hochauflösende Radar- und Optikdaten eine deutliche Intensivierung der Bautätigkeit und den Ausbau von Zufahrtswegen seitdem.
Ob bislang Zentrifugenkaskaden oder angereichertes Uran in den Kavernen lagern, bleibt jedoch ungeklärt. Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) sowie unabhängige Think-Tanks konnten bislang keine unabhängige Bestätigung einer operativen nuklearen Nutzung erbringen.
Eskalationsrisiken und diplomatische Dimension
Ein möglicher Luftschlag auf Pickaxe Mountain birgt mehrere Risiken:
- Unmittelbare Vergeltungsschläge Irans gegen alliierte Stützpunkte in der Region.
- Erneute Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus, wodurch der globale Öltransport gefährdet würde.
- Verschärfung des ohnehin angespannten Nahostkonflikts, insbesondere im Vorfeld iranischer Stichwahlen.
Gleichzeitig betont US-Außenminister Marco Rubio, dass die USA offen für diplomatische Lösungen seien, während Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, es beständen derzeit keine geplanten Gespräche mit US-Vertretern. Der Oberste Führer Ayatollah Khamenei warnt vor einer “sofortigen, wirkungsvollen und geografisch uneingeschränkten Antwort” seitens des Irans, falls ein Angriff erfolgt.
Schnellüberblick:
Was verbirgt sich genau hinter dem Namen ‘Pickaxe Mountain’?
Es handelt sich um den Berg Kuh-e Kolang Gaz La nahe Natans, dessen persischer Name übersetzt “Spitzhacken-Berg” bedeutet. Dort lässt Teheran seit Ende 2020 ein stark befestigtes Tunnelsystem graben, das als geschützte Werkstatt für Zentrifugen oder nukleare Komponenten konzipiert wurde.
Können US-Streitkräfte die Anlage tatsächlich ‘in zehn Minuten’ ausschalten?
Militärexperten bezweifeln das: Die Stollen liegen bis zu 100 Meter unter hartem Granit. Ein Luftangriff könnte Eingänge verschütten und Zufahrten zerstören, den tief liegenden Kernkomplex jedoch mit herkömmlichen Bunkerbrechern kaum unmittelbar vernichten.
Wie stark ist die geologische Härtung des Komplexes?
Die Kavernen sind 80 – 100 Meter tief in massiven Granit des Karkas-Gebirges eingebettet, was standardmäßige Luftschläge erheblich abschwächt.
Welche Baufortschritte wurden bis 2026 nachgewiesen?
Satellitenbilder zeigen eine deutliche Zunahme der Bautätigkeit, Verstärkung der Zufahrtswege und den Ausbau von vier gepanzerten Tunneleingängen, jedoch keine bestätigten Hinweise auf installierte Zentrifugenkaskaden.
Quellen
- https://www.theguardian.com/world/2026/jul/21/what-is-pickaxe-mountain-irans-underground-nuclear-facility-trump-is-threatening-to-attack
- https://www.csis.org/analysis/new-satellite-imagery-analysis-reveals-uptick-2026-construction-activity-pickaxe-mountain
- https://isis-online.org/isis-reports/detail/what-to-know-about-pickaxe-mountain/
- https://www.arabnews.com/node/2620861/middle-east





