Der aktuelle DUH-Dienstwagen-Check 2026 deckt eine gravierende Diskrepanz zwischen den Klimazielen der Politik und dem tatsächlichen Fahrzeugverbrauch der deutschen Spitzenpolitiker auf. Während die EU einen Flottengrenzwert von 93,6 g CO₂ pro Kilometer vorgibt, liegen 160 von 249 untersuchten Dienstwagen – das sind 64,3 % – deutlich darüber. Der Bericht kritisiert insbesondere den wachsenden Einsatz von Plug-in-Hybriden (PHEVs) und beleuchtet das damit verbundene CO₂-Einsparpotenzial, wenn die Flotte konsequent elektrifiziert wird.
Überschreitung der EU-Flottengrenzwerte durch politische Dienstwagen
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat im Rahmen ihres Checks 2026 die Emissionswerte von Dienstwagen deutscher Spitzenpolitiker analysiert. Die wichtigsten Kennzahlen:
- Gesamtzahl untersuchter Dienstwagen: 249
- Fahrzeuge, die den EU-Grenzwert von 93,6 g CO₂/km überschreiten: 160 (64,3 %)
- Im Vorjahr lag die Zahl bei 153 von 238 Fahrzeugen
Besonders auffällig ist, dass im bundesweiten Parteienvergleich ausschließlich die Grünen eine „grüne Karte“ erhalten, während die meisten anderen Parteien und Ministerpräsidenten deutlich höhere Emissionswerte aufweisen.
Plug-in-Hybrid-Bewertung der DUH
Die DUH bewertet Plug-in-Hybride anhand eines realistischen elektrischen Fahranteils von elf Prozent. Dieser Ansatz beruht auf Studien des Fraunhofer-ISIs und des ICCT, die zeigen, dass PHEVs im Praxisbetrieb nur zu 11-15 % elektrisch unterwegs sind.
„Vollstromer würden im Durchschnitt nur 62 Gramm CO₂ je Kilometer verursachen, Plug-Ins kämen im Schnitt auf 179 Gramm.“
Durch die Annahme eines elfprozentigen elektrischen Anteils ergeben sich für die untersuchten Fahrzeuge folgende durchschnittliche Emissionen:
- Vollelektrische Dienstwagen: 62 g CO₂/km
- Plug-in-Hybride: 179 g CO₂/km
Der von der DUH angenommene reale elektrische Fahranteil von elf Prozent führt zu den genannten Emissionswerten.
Zunahme der PHEV-Nutzung im öffentlichen Dienst
Obwohl die DUH Plug-in-Hybride kritisch sieht, steigt deren Nutzung im öffentlichen Sektor weiter an. Die wichtigsten Daten aus dem Öffentlichen-Flotten-Bericht 2025:
- Steigerung der PHEV-Nutzung auf 17,2 % im Jahr 2025 (gegenüber 16,0 % im Jahr 2024)
- Gleichzeitig sinkt der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge von 38 % (2024) auf 36 % (2025)
Ein Grund für die wachsende Beliebtheit von PHEVs ist das Argument, sie seien flexibler für Langstrecken- und Ladeengpässe. Zudem dürfen viele politische Abteilungen im öffentlichen Dienst keine rein elektrischen Fahrzeuge beantragen, wodurch PHEVs als „sicherste Übergangstechnologie“ gelten.
CO₂-Einsparpotenzial durch Elektrifizierung der Flotte
Der Austausch aller Dienstwagen, die im Check die EU-Grenze überschritten haben, gegen vollelektrische Fahrzeuge hätte ein erhebliches Klima-Impact:
- Jährliche CO₂-Einsparung: 14 000 Tonnen (bei vollständigem Austausch)
- Entspricht der CO₂-Bindung von mehr als 740 000 Bäumen pro Jahr
- Entspricht den Emissionen von etwa 3 300 Pkw (nach DE-Bundesverbrauchswerte 2024)
Diese Zahlen verdeutlichen das konkrete Potenzial, das über reine Beschreibungen hinausgeht und klare Handlungsempfehlungen liefert.
Herausforderungen und Gegenargumente
Die Diskussion um Dienstwagenflotten ist nicht einseitig. Die DUH weist auf mehrere strukturelle Hindernisse hin:
- Sicherheits- und Reichweitenanforderungen: In sicherheitsrelevanten Ressorts wie Innenministerien oder im Amtsbereich von Ministerpräsidenten wird häufig ein hohes Leergewicht (bis zu 4,5 t) benötigt, was die Nutzung von vollelektrischen Fahrzeugen einschränkt.
- Interne Regelwerke: Die Zuteilung von Dienstwagen erfolgt meist nach festgelegten internen Finanzierungs- und Beschaffungsrichtlinien, wodurch Politiker selten freie Wahl haben.
Trotz dieser Einschränkungen betont die DUH die Vorbildfunktion politischer Entscheidungsträger und fordert eine Überprüfung der Regelwerke, um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.
Schnellüberblick:
Können politische Entscheidungen bei der Dienstwagenwahl überhaupt so stark beeinflusst werden?
Ja, durch klare politische Deklarationen und Verordnungen können Regierungen beispielsweise innerhalb des öffentlichen Dienst-Rechts Vorgaben für klimafreundliche Fahrzeugflotten schreiben. Vorbilder wie die Bundesregierung im Vorjahr oder einzelne Bundesländer zeigen, wie das gelingen kann.
Wie stark hängt die Umstellung auf E-Fahrzeuge von Budgets im öffentlichen Dienst ab?
Studien zeigen, dass die Finanzierung von Elektrofahrzeugen durch staatliche Förderungen und Mietmodell-Ansätze die Hürden senkt. Der größte Faktor bleibt jedoch politischer Wille für eine nachhaltige Mobilität.





