Die anhaltenden Spannungen im Persischen Golf, ausgelöst durch die militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran, haben nicht nur die globale Energieversorgung stark belastet, sondern auch das innenpolitische Klima in den USA grundlegend verändert. In einer Reuters/Ipsos-Erhebung fiel die Zustimmungsrate für Präsident Donald Trump auf 33 Prozent – den tiefsten Wert seit Dezember 2017 – während gleichzeitig die Benzinpreise um fast ein Drittel stiegen und rund 80 Prozent der US-Bevölkerung einen langen militärischen Konflikt erwarten.
Rückgang der Zustimmungswerte – Zahlen und Fakten
Die aktuelle Umfrage von Reuters und Ipsos befragte 1.166 erwachsene Amerikaner mit einer Fehlermarge von drei Prozentpunkten. Das Ergebnis: Nur 33 Prozent der Befragten bewerten Trumps Amtsführung positiv, während 64 Prozent Ablehnung äußern. Dieser Tiefstwert ist seit Dezember 2017 nicht mehr erreicht worden. Bereits Anfang August lag die Zustimmung noch bei 35 Prozent, was den schnellen Abwärtstrend verdeutlicht.
- Zustimmung zu Trumps Amtsführung (gesamt): 33 %
- Ablehnung zu Trumps Amtsführung: 64 %
Umfrageergebnisse im Detail
Die Ipsos-Erhebungen zeigen zudem, dass Trumps Wirtschaftspolitik im Bereich Lebenshaltungskosten nur von 22 Prozent der Befragten positiv bewertet wird – deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt. Diese Zahlen spiegeln die wachsende Unzufriedenheit mit steigenden Energiepreisen und inflationsbedingten Belastungen wider.
- Zustimmung zu Trumps Wirtschaftspolitik (Lebenshaltungskosten): 22 %
Wirtschaftliche Folgen der maritimen Blockade
Die Blockade des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus hat das globale Ölangebot stark eingeschränkt. Laut dem Short-Term Energy Outlook der US-Energieinformationsbehörde (EIA) sank der tägliche Öldurchfluss im zweiten Quartal 2026 auf 4,9 Millionen Barrel pro Tag – ein Rückgang von über 80 % gegenüber dem Vorkrisen-Volumen von rund 21,6 Millionen Barrel pro Tag.
- Täglicher Öldurchfluss Straße von Hormus (Q2 2026): 4,9 Mio. Barrel/Tag
- Vorkrisen-Durchfluss (Q4 2025): 21,6 Mio. Barrel/Tag
Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert für das Gesamtjahr 2026 einen durchschnittlichen Rückgang des weltweiten Rohölangebots um 4,3 Millionen Barrel pro Tag, was dem Ausfall eines Fünftels des globalen Ölhandels entspricht.
- Globaler Rohöl-Angebutsausfall (2026): 4,3 Mio. Barrel/Tag
Die unmittelbare Auswirkung auf die US-Verbraucher ist deutlich sichtbar: Die American Automobile Association (AAA) verzeichnete einen Anstieg des durchschnittlichen Benzinpreises von etwa 3,00 USD auf rund 4,00 USD pro Gallone – ein Plus von rund 33 % gegenüber dem Vorjahr.
- Anstieg US-Benzinpreis (AAA, 2026): ca. 33 % (von ~3,00 $ auf ~4,00 $ pro Gallone)
„Wir werden sie in Grund und Boden bomben“ – Trump droht Oman, falls das Sultanat die US-Interessen in der Hormus-Straße behindert. Dieser Satz verdeutlicht die aggressive Rhetorik, mit der die Administration versucht, den Druck auf diplomatischer Ebene zu erhöhen.
Politische Implikationen und innenpolitischer Druck
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass rund 80 Prozent der US-Bürger – darunter 87 % der Demokraten und 71 % der Republikaner – davon ausgehen, dass das militärische Engagement der USA im Iran über einen längeren Zeitraum andauern wird. Nur 16 % erwarten ein baldiges Ende des Konflikts. Diese Erwartungshaltung verstärkt den innenpolitischen Druck auf die Republikaner, die bei den bevorstehenden Midterm-Wahlen ihre Mehrheiten im Kongress verteidigen wollen.
- Erwartung eines langen Iran-Kriegs (US-Bürger): 80 %
- Erwartung eines kurzen Konflikts (US-Bürger): 16 %
Die Kombination aus steigenden Benzinpreisen, einer stark gesunkenen Ölversorgung und einer sinkenden Zustimmungsrate für Trumps Wirtschaftspolitik stellt die Republikaner vor ein ernstes Dilemma. Die Gefahr eines sogenannten „Rally-Round-the-Flag-Effekts“ bleibt aus – historisch steigen die Beliebtheitswerte von US-Präsidenten bei Beginn militärischer Einsätze zunächst, doch in diesem Fall führt die direkte Verbindung zu höheren Lebenshaltungskosten zu einer sofortigen Erosion des Rückhalts.
Diplomatische Vermittlerrolle des Oman und Irans Sechs-Punkte-Forderung
Während die direkten Gespräche zwischen Washington und Teheran stocken, verhandelt das Sultanat Oman separat mit dem Iran über ein technisches Schifffahrtsabkommen. Der Iran knüpft die vollständige Freigabe der Straße von Hormus an sechs Kernforderungen, die in der iranischen Sechs-Punkte-Forderung zusammengefasst sind. Die im Juni 2026 unterzeichnete Absichtserklärung (MoU) sah eine 60-tägige Frist vor, innerhalb derer ein Friedensabkommen erzielt werden sollte – diese Frist verstrich ohne Einigung.
- Frist der Absichtserklärung (MoU): 60 Tage (seit 17. Juni 2026)
Die Verhandlungen über die abgelaufene Frist bleiben komplex, da der Oman – historisch ein neutraler Vermittler – nun selbst Ziel von Trumps Drohungen ist. Der Konflikt verdeutlicht, wie diplomatische Bemühungen jenseits der direkten US-Iran-Beziehungen von der geopolitischen Lage im Persischen Golf beeinflusst werden.
Schnellüberblick:
Warum reagieren die US-Wähler so sensibel auf den Konflikt im Persischen Golf?
Weil die militärische Eskalation direkt auf die heimischen Energiepreise durchschlägt: Benzin verteuerte sich um rund ein Drittel auf etwa 4 US-Dollar pro Gallone (AAA 2026), was die ohnehin präsente Unzufriedenheit über hohe Lebenshaltungskosten verstärkt.
Welche Rolle spielt der Oman bei der Lösung des Konflikts?
Maskat verhandelt seit Jahrzehnten diplomatisch auf einer neutralen Basis mit Iran und anderen Ländern. Vor dem Hintergrund des Kriegs versucht das Sultanat, eine Übereinkunft für den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zu erwirken (EIA/IEA 2026), geriet jedoch in Trumps Fokus der Drohungen.






