Der frühere Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, Ben Hodges, warnt eindringlich vor den Folgen der jüngsten Gespräche zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er betont, dass ein möglicher Separatfrieden oder bilateraler Deal die westliche Einheitsfront schwächen, die Souveränität Kiews untergraben und die europäische Sicherheitsarchitektur langfristig gefährden könnte.
Hintergrund der St.-Petersburg-Gespräche und der Oslo-Konsultationen
Am Mittwoch traf der von Trump als Sondergesandten eingesetzte US-Immobilienunternehmer Steve Witkoff im Konstantinpalast in St. Petersburg etwa drei Stunden lang mit Präsident Putin. Das Treffen dauerte rund drei Stunden (Quelle S3). Parallel dazu fand in Oslo ein Konsultations-Meeting statt, bei dem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zusammen mit Vertretern aus Norwegen (Ministerpräsident Jonas Gahr Støre) und Finnland (Präsident Alexander Stubb) anwesend war. Der schwedisch-norwegische Außenminister war nicht beteiligt; stattdessen nahm Trumps Schwiegersohn Jared Kushner krankheitsbedingt per Videoschalte teil.
In einem symbolischen Schritt entließ Moskau den seit über vier Jahren inhaftierten US-Bürger Stephen Hubbard, ohne dass substanzielle Zugeständnisse in Bezug auf die Kriegsursachen oder die Besatzungsgebiete gemacht wurden (Quelle S2).
Ben Hodges’ Kritik am Verhandlungsansatz von Trump
Hodges äußerte sich gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) klar und unverblümt:
“Nein, Frieden ist nicht in Sicht. Es ist lächerlich, dass Trump so etwas behauptet.”
Er kritisierte, dass die russische Seite “kein einziges Zugeständnis” gemacht habe und dass Trump selbst keinen Druck auf die Ukraine ausgeübt habe, sondern vielmehr Druck auf die ukrainische Führung ausgeübt habe:
“Trump hat sie nicht einmal dazu aufgefordert. Tatsächlich hat er nur Druck auf die Ukraine ausgeübt.”
Weiterhin bemängelte er, dass die US-Regierung informelle Sondergesandte wie Witkoff und Kushner einsetze, anstatt den diplomatischen Apparat des State Departments zu nutzen:
“Deshalb hat die Trump-Regierung zwei Immobilienmakler anstelle von Diplomaten entsandt.”
Ein zentrales Argument Hodges’ ist die marginale Rolle Europas: “Dass kein anderes europäisches Land zu den Verhandlungen eingeladen wurde, zeugt davon, dass Russland Europa in den Verhandlungen kein Mitspracherecht einräumt.” Er fordert ein lautstarkes Protestieren der europäischen Regierungschefs, um das transatlantische Bündnis zu schützen.
Wirtschaftliche Dimension: Diesel- und Düngemittel-Deals
Trump hat mit Moskau bereits Diesellieferungen vereinbart. Die materielle Dimension dieser Annäherung zeichnet sich bereits deutlich ab: Nach US-Angaben und Medienberichten startete nach der Aussetzung entsprechender US-Sanktionen ein erster Tanker mit 40.000 Tonnen russischem Dieselkraftstoff für den amerikanischen Markt (The Moscow Times, 2026). In europäischen Hauptstädten löste dieser Alleingang erhebliche Irritationen aus. EU-Vertreter warnten davor, dass der Importstopp-Bruch dem Kreml dringend benötigte Einnahmen für den Rüstungsetat zuspielt, während Kiews Infrastruktur weiterhin massiv unter Beschuss steht.
Die russische Seite versprach zudem künftige Düngemittelexporte für den US-Markt. Europäische Spitzenpolitiker, darunter EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas, kritisierten das Vorgehen scharf, weil es der russischen Kriegsökonomie frische Devisen verschafft und die Wirksamkeit westlicher Sanktionspakete aushöhlt.
Risiken diplomatischer Alleingänge ohne Ukraine und Europa
Hodges warnt vor zwei zentralen Gefahren:
- Gefahr eines Diktatfriedens über den Kopf Kiews hinweg: Sollten trilaterale Formate (USA, Russland, China) Realität werden, riskiert die Ukraine den Verlust von Territorien ohne belastbare Sicherheitsgarantien durch die NATO oder bilaterale Beistandsabkommen.
- Spaltung des transatlantischen Bündnisses: Die Aussetzung von US-Sanktionen für Treibstofflieferungen schafft einen Keil zwischen Washington und die EU, die ihr Sanktionsregime gegen Moskau aufrechterhält.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warnte, ein Dreier-Gipfel würde Putin lediglich ermutigen, den Krieg fortzusetzen. Selenskyj selbst forderte, dass die Ukraine an einem möglichen Gipfel teilnehmen müsse, um akzeptable Verhandlungsergebnisse zu gewährleisten.
Schnellüberblick:
Wer ist Steve Witkoff und welche diplomatische Rolle nimmt er ein?
Steve Witkoff ist ein US-Immobilienunternehmer und langjähriger Vertrauter von Donald Trump. Er agiert als informeller Sondergesandter und führt direkte Gespräche mit Spitzenpolitikern in Russland und der Ukraine, oft an traditionellen diplomatischen Kanälen des State Departments vorbei.
Was beinhaltete der jüngste Rohstoff-Deal zwischen den USA und Russland?
Trump vereinbarte mit Moskau Lieferungen von Dieselkraftstoff, beginnend mit einem Tanker über 40.000 Tonnen, sowie künftige Düngemittelexporte. Im Gegenzug setzte Washington bestehende Sanktionen auf russische Treibstoffexporte temporär aus.
Wie lange war Stephen Hubbard inhaftiert und was war das Ergebnis seiner Freilassung?
Stephen Hubbard war über vier Jahre in Russland inhaftiert. Im Zuge des Witkoff-Besuchs wurde er freigelassen – ein Schritt, den Beobachter primär als symbolische Geste zur Beschwichtigung Washingtons werten.
Wie lange dauerte das Gespräch zwischen Witkoff und Putin?
Das Treffen im Konstantinpalast dauerte rund drei Stunden.
Quellen
- https://www.diepresse.com/19001423/witkoff-bei-putin-russland-kuendigt-erste-diesellieferung-in-die-usa-und-freilassung-eines-amerikaners-an
- https://www.themoscowtimes.com/2026/10/21/putin-releases-american-jailed-in-russia-agrees-to-trilateral-peace-talks-as-witkoff-visits-a86754
- http://en.kremlin.ru/events/president/news/75390






