Karl-Heinz Rummenigge, ehemaliger Vorstandschef von Bayern München, spricht sich für eine stärkere Entscheidungsgewalt des Video-Assistent-Referees (VAR) aus und fordert gleichzeitig eine grundlegende Reform der Handspielregel. Seine Positionen basieren auf statistischen Analysen und persönlichen Erfahrungen aus seiner Spieler- und Managementkarriere. Der folgende Artikel beleuchtet die aktuelle Situation des VAR, Rummenigges konkrete Vorschläge und die damit verbundenen Kontroversen.
Die aktuelle Rolle des VAR im Fußball
Der VAR wurde 2018 erstmals bei einer Fußball-Weltmeisterschaft eingesetzt und hat seitdem den Entscheidungsprozess in professionellen Ligen maßgeblich beeinflusst. Laut einer Analyse wurden in der Bundesliga in der Saison 2021/22 insgesamt 110 VAR-Überprüfungen durchgeführt, die häufig zu mehr Fairness beitrugen. Im Jahr 2023 wurden bereits 43 Überprüfungen verzeichnet (Quelle S1).
- Einführung des VAR: 2018 bei der WM
- VAR-Einsätze in der Bundesliga 2021/22: 110 Überprüfungen
- VAR-Überprüfungen 2023: 43 Überprüfungen
Rummenigge fordert mehr Entscheidungsgewalt für den VAR
Rummenigge betont, dass der VAR häufig Eingriffe vornimmt, die offensichtlich notwendig sind, weil das Geschehen auf dem Platz übersehen wurde. Er argumentiert, dass die finale Entscheidung nicht mehr ausschließlich beim Schiedsrichter auf dem Platz liegen sollte, sondern im „Keller“, also beim VAR, getroffen werden sollte.
„In den meisten Fällen greift der VAR ja nicht unbegründet ein. Das bedeutet ja, dass etwas übersehen wurde oder vorgefallen ist, das in Echtzeit auf dem Platz unterging. Also sollte im Keller auch die finale Entscheidung getroffen werden, dort arbeiten alles qualifizierte Menschen.“ – Karl-Heinz Rummenigge, im Interview mit dem Kicker
Er sieht darin eine Möglichkeit, das Spiel zu vereinfachen und unnötige Diskussionen zu vermeiden:
„Uns wird oftmals ein überflüssiges Schauspiel geliefert, das nur Zeit kostet und einen Mann in die Verantwortung bringt, der nicht mehr exklusiv verantwortlich ist, weil im Keller die Entscheidung längst gefallen ist.“ – Rummenigge
Für die Umsetzung müsste die IFAB die entsprechenden Passus anpassen, da derzeit die endgültige Entscheidung beim Platzschiedsrichter liegt.
Argumente für mehr Macht des VAR
- Reduktion von Fehlentscheidungen, die Rummenigge aus seiner Spieler- und Managementzeit kennt.
- Erhöhung der Spielintegrität und Fairness.
- Vereinfachung des Entscheidungsprozesses, weniger zeitintensive Diskussionen auf dem Platz.
Warum der VAR nicht abgeschafft werden sollte
Entgegen vieler Fan-Aufrufe lehnt Rummenigge eine Abschaffung des VAR ab. Er verweist auf seine eigenen Erlebnisse mit Fehlentscheidungen und betont die positive Wirkung der Technologie:
„Ich habe leider in meiner Karriere als Spieler und im Management viel zu viele Fehlentscheidungen erlebt. Ich war immer ein großer Befürworter der Technik. Der VAR mache den Fußball seriöser und fairer.“ – Karl-Heinz Rummenigge
Reform der Handspielregel
Die Handspielregel wird häufig als unklar empfunden. Studien zeigen, dass in der Premier League im Jahr 2020 45 Handspiel-Entscheidungen zu Strafen führten, während 2021 35 Entscheidungen als fragwürdig eingestuft wurden (Quelle S2). Rummenigge fordert eine Rückkehr zu einer klaren Schwarz-Weiß-Bewertung.
„Zu meiner Zeit gab es bei Handspiel Schwarz und Weiß – heute gibt es fast nur noch Grau. Diese Regel gehört zurück in den Schwarz-Weiß-Bereich.“ – Rummenigge
Er warnt, dass unklare Handspielentscheidungen das Ergebnis von Weltmeisterschaften beeinflussen könnten.
Problematische Handspielentscheidungen
- Premier League Handspiel-Entscheidungen 2020: 45 Entscheidungen
- Fragwürdige Handspiel-Entscheidungen 2021: 35 Entscheidungen
Eine klare Reform könnte laut Rummenigge die Regelklarheit erhöhen und das Spiel für Zuschauer und Spieler transparenter machen.
Gegenargumente und Risiken
Ein häufig genanntes Gegenargument ist die Fan-Resistenz gegen den VAR. Viele Fans empfinden den VAR als störend, weil er den Spielfluss unterbricht.
- Fan-Resistenz: VAR wird als zeitintensives Schauspiel gesehen.
- Risiko: Mögliche Überdehnung der Entscheidungsdauer, wenn zu viele Eingriffe zugelassen werden.
Trotz dieser Bedenken sieht Rummenigge den Nutzen in einer stärker regulierten und technisch unterstützten Entscheidungsfindung.
Schnellüberblick:
Wie oft wird der VAR im Fußball eingesetzt?
Der VAR wird in etwa 90 % aller Spiele in den Top-Ligen eingesetzt, um strittige Entscheidungen zu überprüfen.
Was ist die Handspielregel?
Die Handspielregel besagt, dass ein Handspiel zu einem Freistoß oder Strafstoß führen kann, abhängig davon, ob das Handspiel absichtlich oder unabsichtlich war.
Quellen
- https://www.dfb.de/faq-verband/faq-umgang-mit-dem-var/
- https://www.kicker.de/handspielregeln-analyse-2021






